Origin: EA’s Datenkrake

Seit heute ist Battlefield 3 für alle volljährigen Spieler hier in Deutschland offiziell im Handel käuflich erwerbbar. Eigentlich eine positive Meldung, denn den internationalen Wertungen nach ist es tatsächlich der heiß ersehnte Blockbustertitel geworden, den man sich als Spieler mit nervös-schweißverklebten Händen beim Sichten der ersten Trailer ausgemalt hatte. Entwickler Dice zaubert mit dem neuesten Teil der Battlefield-Reihe eine Schlachtfeldatmosphäre auf die heimischen Bildschirme, die ihresgleichen sucht – ganz egal, ob man jetzt auf die Konsolen oder den PC schaut. Und trotzdem wird es für mich als PC’ler erst einmal kein Battlefield 3 geben. Der Grund dafür hat mit dem Spiel an sich nichts direkt zu tun. Dennoch ist das Spielen ohne diesen Grund gar nicht erst möglich, ganz gleich ob ich mich in den Singleplayer stürzen oder eine Multiplayersession starten wollte. Die Rede ist von Electronic Arts Distributionsplattform Origin.

Battlefield 3 kann man als das Zugpferd für EA’s Konkurrenzplattform zu Valve’s Steam bezeichnen, wird dem Spieler das Programm doch wie damals beim Start des Konkurrenzprodukts auch aufgezwungen. Schön und gut, bei Valve hats vorher auch große Bedenken gegeben, letztlich haben sich diese aber als halb so wild erwiesen. Steam ist seit langem schon bei den Spielern angekommen und die größte Online-Distributionsplattform weltweit. Mancher mag sogar davon sprechen, dass Valve mit Steam erst einen Markt geschaffen hat. Und von diesem Kuchen möchte auch EA ein gehöriges Stück ab haben. So haben sich die Marketingleute zusammengerauft und ein Konzept ausgearbeitet, das aus dem stiefmütterlich behandelten und bei den Spielern alles andere als akzeptierten EA Download Manager eine Konkurrenzplattform schafft. Kein Wunder, liegen die Vorteile einer Online-Distributionsplattform doch klar auf der Hand: Man muss nicht mehr so große Mengen Datenträger in den Presswerken produzieren, Verpackungskosten entfallen, der gesamte Vertrieb wird einfacher. Und dem von den Publishern schon lange argwöhnisch betrachtete Gebrauchtspielemarkt konnte man ein Schnippchen schlagen. Nur: Wie genau platziert man so eine Plattform, die gänzlich unbekannt unter den Spielern ist. Für EA lautete diese Antwort: Man beschneidet die Konkurrenzplattformen, indem man die eigenen Titel künftig nur noch über das Produkt aus eigenem Hause online vertreibt. An für sich ein kluger Schachzug. Nur ist die Steam’sche Spielergemeinde so groß, dass ein Wechsel gar nicht gewünscht ist.

Also sattelt man alle noch erscheinenden PC-Titel auf Origin auf. So muss eine Plattform, die eigentlich keiner haben möchte, genutzt werden. Und das zu Nutzungsbedingungen und allgemeinen Geschäftsbedingungen, die es wahrlich in sich haben. GameStar hat im Rahmen eines Battlefield 3 Specials auf ihrer Webseite einen sehr interessanten Artikel online gestellt, der unter Federführung des Herrn Rechtsanwalts Schwenke die Details der Nutzung von Origin aufzeigt und weiter erläutert, sodass man das Juristendeutsch auch versteht. Immerhin werden Nutzungsbedingungen oder AGBs nicht ohne Absicht so verfasst, dass sie nur schwer greifbar sind.

EA nimmt dem Origin-Nutzer und damit Battlefield 3 Spieler die Rechte, indem Haftung und Gewährleistung ausgeschlossen werden. Lediglich das Löschen des Origin-Nutzerkontos bringt Abhilfe – was ein weiteres spielen unmöglich macht. Zusätzlich verhält sich EA’s Distributionsplattform wie Spyware, scannt den Rechner nach Soft- und Hardware ab, ohne dass der Nutzer dies explizit erlauben muss und überträgt die Daten in die EA’schen Rechenzentren. Dort werden die ermittelten Daten offiziellen Angaben zufolge zwar nicht an Dritte weitergegeben. Nur: Wofür sammelt man diese Daten dann?!

In Zeiten, in denen Bund und Länder sich selbst durch Spionagesoftware in die Medien bringen, in denen wir einen Bundesinnenminister mit Parteibuch der CSU in der Regierung sitzen haben, in denen sollten die Menschen so weit angefixt sein, dass sie sich um ihre Datensicherheit und ihren Datenschutz kümmern. Ich möchte und kann nicht glauben, dass es so viele Mark Zuckerbergs da draußen gibt, denen die Themen Datenschutz und Privatsphäre nichts mehr bedeuten. Die einem Privatunternehmen aus der Unterhaltungs- bzw. Videospielbranche einen Freifahrtschein zum Datensammeln erteilen, nur weil man ein Spiel spielen möchte. Wenn man sich im Nachhinein wundert, was man eigentlich mit sich hat machen lassen – dann dürfte es wohl zu spät sein.

Hier der Origin-Artikel auf GameStar.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s