Potenzial erkannt – und genutzt

WoW Werbespot - Chuck Norris

Vor einer knappen Woche sorgte ein kleiner Werbeclip zu einem großen Spiel für ordentlich Trubel. Die Spieleschmiede Blizzard hat sich für ihr Vorzeige-MMORPG World of Warcraft nach William Shatner, Mr. T, Ozzy Osborne und weiteren bekannten Gesichtern aus der Welt der Medien erneut einen Promi herangezogen, um Werbung für ihr Spiel zu machen. Dieses Mal hat es keinen geringeren getroffen, als die Action- und Roundhousekicklegende Chuck Norris. Und eigentlich ist es auch keine so große Sache, wären mit der Person Chuck Norris nicht unzählige Witze und Sprüche verbunden, die ihren Ursprung in den Weiten des Webs haben. Blizzard bzw. die von Blizzard beauftragte Agentur hinter den Clips hat das Werbepotenzial und die (zweifelhafte) Berühmtheit Chuck Norris erkannt und nutzt den einen oder anderen Gag gekonnt für eine nicht ganz ernst gemeinte From der Werbung. Die aber gerade bei der Zielgruppe ungemein gut ankommt. Kein Wunder: Nahezu jeder kann mindestens einen Chuck Norris-Gag erzählen.

Hier der originale englische Clip:

Es ist schlichtweg genial, wie man auf Grundlage der Chuck Norris Running-Gags so einen Werbeclip produziert hat. Dabei ist es im Prinzip längst überfällig gewesen, das Werbepotenzial von Chuck Norris auch zu nutzen (sein Engagement in einem Werbefilmchen des republikanischen US Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zähle ich bewusst NICHT dazu). Immerhin kann man ihn wegen der Popularität im Internet fast schon als eine Art Teil-Kunstfigur bezeichnen. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Natürlich ist es wohl nie Mr. Norris Absicht gewesen, sich selbst solch ein Image aufzubauen und dieses werbetechnisch zu nutzen. Wenn das aber in der nicht ganz ernst gemeinten Form passiert, wie eben im jüngsten WOW-Clip und einfach zu Kunstfigur und Werbekampagne passt, dann dürfte es ihn wohl nicht weiter stören. Immerhin gibt es noch ganz andere Werbeclips, die genauso mit dem Image einer Kunstfigur spielen, das aber eher schlecht als recht machen. Bestes Beispiel ist Solarworld, ein Hersteller von Solarmodulen. Dort wurde für eine Reihe von Werbeeinspielern der Schauspieler Larry Hagman verpflichtet, der eine gealterte, gereifte Version seiner früheren Rolle in der TV-Serie Dallas darstellt. Hagman verkörperte in der Serie den fiesen und rücksichtslosen Ölmagnaten J.R. Ewing. Die gealterte Version dieses Antipathie-Trägers tritt nun als konvertierter Vorreiter und Verbreiter der umweltfreundlichen Solartechnologie auf. Leider bedeutet dies einen völligen Bruch mit der Kunstfigur, die damals in den heimischen Wohnzimmern abgöttisch gehasst wurde und die ohne Frage eine Spitzenposition in der Rangliste der unsympathischsten Filmfiguren aller Zeiten einnehmen dürfte. Die Macher hinter den Solarworld-Werbeclips kehren das Werbepotenzial ihrer Kunstfigur um und lassen sie genau mit dem Gegenteil dessen werben, was eigentlich ihre Popularität ausmacht. Hätten die Macher des WOW-Clips ihren Chuck Norris in dieser Art und Weise in Szene gesetzt, dann würde der Clip jetzt entweder einen bierernsten Unterton haben oder die Kunstfigur Chuck Norris wäre die Oberlusche schlechthin – beides würde in geringerer Werbewirkung resultieren und wäre schlichtweg unlogisch.

Hier einer der Solarworld-Clips:

Natürlich muss man sagen, dass es wesentlich schwieriger ist, Werbung für Solartechnik zu machen. Wenn man dann aber schon entsprechende Budgets in die Hand nimmt, dann sollten diese doch wenigstens in eine Person/Figur fließen, die entsprechend für das Thema einsteht und nicht einen völligen Bruch bedeutet. Greenpeace würde ja auch nicht mit Robbenjägern werben, die Robbenbabys pflegen und liebkosen. Stattdessen hätte man beispielsweise Ex-Gouverneur Schwarzzenegger, der sich in seiner Amtszeit durch – für amerikanische Verhältnisse – ziemlich grüne Politik ausgezeichnet hat, als Werbepartner gewinnen sollen oder eine andere passende Person/Kunstfigur. Aber das ist nur meine Meinung.

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The Witcher 2: Assassins of Kings

Kurzeinführung

Im Jahr 2007 brachte das in Polen ansässige Entwicklerstudio CD Projekt Red ihr Rollenspielerstlingswerk auf Basis der Hexer-Romane des polnischen Autoren Andrzej Sapkowski auf den Markt. Das Rollenspiel wusste mit einer vielschichtigen und erwachsenen Story, eingebettet inmitten einer kaputten, mittelalterlichen Welt bei Fachpresse und Spielern zu punkten und steigerte die Bekanntheit des Helden Geralt von Riva weit über die Grenzen Polens hinaus. Im März 2011 erschien der Nachfolger The Witcher 2: Assassins of Kings und verstrickte uns erneut in eine Geschichte rund um die Machenschaften von Monarchen und Zauberern, dem Konflikt zwischen Menschen und Anderlingen. Ob Geralts zweites Abenteuer ähnlich überzeugen kann und sich der Kauf des mittlerweile auf Version 2.0 hochgepatchten Spieles lohnt – all das soll dieses Review klären.

Worum es eigentlich geht

Temerien im Jahr 2171: Ein Monat ist vergangen, seit der Hexer Geralt von Riva den Herrscher Temeriens, König Foltest, vor einem Attentäter beschützen konnte. Auf dessen Gesicht: die untrüglichen Anzeichen einer Hexerausbildung. Der durch unser Schwert gerettete Monarch zieht daraufhin in die Schlacht, um den im ersten Witcher aufgekommenen Bürgerkrieg in seinem Reich niederzuschlagen. Nach einer kurzen Traumsequenz erwachen wir gefesselt und mit blutigem Rücken im Burgverlies der La Valettes. Doch wieso befinden wir uns überhaupt in Gefangenschaft? Und warum sollen wir hingerichtet werden? Das Spiel schickt uns infolge dieser Kerkerszene auf die Spuren unserer Gefangenschaft. Geralt wird vorgeworfen, König Foltest ermordet zu haben, den König, den er nicht nur vor dem sicheren Tod durch eine Hexerklinge bewahrte, sondern den er auch einen Freund nannte. In einem vom Chef des temerischen Geheimdienstes, Vernon Roche, geführten Verhör stehen wir Rede und Antwort zu den Geschehnissen des Tages der königlichen Ermordung. In spielbaren Flashbacks erfahren wir, dass Geralt zusammen mit dem König die Burg der La Valettes belagerte, um die unehelichen Kinder des Königs zu befreien und den Aufstand gegen die Krone zu ersticken. Nach gelungener Befreiung der Bankerte wird der König durch einen Vermummten getötet. Und Geralt ist der einzige, der den Mörder zu Gesicht bekommen hat. So stürzen wir uns als beschuldigter Königsmörder hinein in eine Geschichte um Macht und Intrigen, folgen den Spuren des wahren Täters, den Hintergründen seines blutigen Werkes und suchen nach Antworten rund um das Rätsel unserer mysteriösen Amnesie.

Mörderhatz in drei Äkten

Geralts Jagd nach den Mördern König Foltests von Temerien ist in drei Äkte sowie den Prolog unterteilt. So erzählt der Prolog die Vorgeschichte bis zu dem Punkt, an dem wir im ersten Akt zum Grenzstädtchen Flotsam im Pontartal segeln, um dort Nachforschungen über die Verbindung zwischen dem Königsmörder und der lokalen Einheit von Scoia‘tael anzustellen, einer Art elfisch-zwergischen Widerstandsbewegung gegen die Menschen. Dort können wir neben der Hauptquest, welche die Story weiter vorantreibt, zahlreiche Nebenaufgaben lösen. Darunter auch die aus dem Vorgänger bekannten Minispiele Faustkampf und Zwergenpoker. Neu hinzugekommen ist das Armdrücken, bei dem wir mit der Maus auf einem immer kleiner werdenden Balken bleiben müssen, um unseren jeweiligen Kontrahenten zu schlagen. Außerdem dürfen wir Frauenheld Geralt auch dieses Mal wieder in das ein oder andere erotische Geplänkel mit der Frauenwelt führen. Nach dem Abstecher in Flotsam geht es weiter im zweiten Akt mitten hinein in eine Geisterschlacht sowie zur Zwergenstadt Vergen. Der dritte und letzte Akt, der im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Äkten nahezu mickrig und unfertig wirkt, führt zum finalen Showdown in den Ruinen der elfischen Stadt Loc Muinne.

Allen Äkten ist gemein, dass sie nach ihrem Abschluss nicht wieder besucht werden können. Gleichermaßen trägt Geralts Tun und Handeln unmittelbare Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Haben wir uns im ersten Akt dafür entschieden, uns mit Vernon Roche bzw. den Scoia‘tael zu verbünden, können wir zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr die Seite wechseln. Dabei sind beide weder gut noch böse und bewusst undurchsichtig gestaltet. Wer also sehen möchte, was die Welt alles bietet oder welche Konsequenzen anders getroffene Entscheidungen zur Folge haben, der kommt nicht umhin, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Der Titel unterhält ca. 30 Stunden, bevor man sich entspannt zurückgelehnt eines der möglichen Enden anschauen kann. Zusätzlich dazu ist der Spielumfang mit dem Patch 2.0 vergrößert worden. Dieser liefert einen Arenamodus sowie ein optionales Tutorial, das den Spieler behutsamer in das Spiel und dessen Mechanik einführt, als der Prolog. Außerdem wird dem Spieler nach Absolvieren des Tutorials eine Schwierigkeitsstufe vorgeschlagen. Im Arenamodus treten wir als hexischer Gladiator Runde für Runde gegen immer stärkere Gegner an, die wir möglichst schnell zur Strecke bringen, um Goldboni zu erhalten. Nach jeder überstandenen Runde können wir mit dem gewonnen Gold Ausrüstung kaufen, darunter auch Bomben oder Tränke, unsere Talente verbessern oder Mitstreiter für den nächsten Kampf anheuern. Freunde kompetetiven Gameplays dürfen sich über eine Highscoreliste mit anderen Arenamodus-Recken messen.

Silberschwert und Bomben

Als Hexer hat Geralt eine Ausbildung genossen, die ihn vom Mensch zum Übermensch hat werden lassen. Von klein auf wurde er auf Kaer Morhen, dem Sitz der Hexer, gelehrt, mit dem Schwert umzugehen, die Hexerzeichen zu wirken und Bestien der alten Welt zu studieren. Zur Steigerung der Kraft oder Ausdauer kann unser Held Tränke brauen und einnehmen, die einen normalen Menschen aufgrund ihrer Toxizität umbringen würden. Schwertgifte, Bomben oder Fallen – all dies nutzt dem Hexer im Kampf gegen Mensch und Ungeheuer. Die wichtigsten Utensilien bleiben dabei aber Schwert und Hexermedaillon, das uns in Gefahrensituationen warnt und außerdem zum Markieren von Gegenständen, Kräutern, Monstern oder Orten der Macht genutzt wird. Das Schwert trägt Geralt im Laufe des Abenteuers standesgemäß in doppelter Ausführung mit sich: ein Silberschwert dient dem Kampf gegen Ungeheuer und Monster, ein Eisenschwert ist für den Kampf gegen menschliche Kontrahenten gedacht.

Die Kampfsteuerung aus dem ersten Teil, die korrektes Timing und einen für den Gegnertyp passenden Schwertstil voraussetzte, haben die Entwickler von CD Projekt durch eine neue ersetzt, bei der die unterschiedlichen Stile über Bord geworfen wurden. Dafür dürfen wir nun Angriffe blocken und bei korrektem Timing zu Kontern ansetzen sowie Messer werfen. Um im Kampf erfolgreich zu sein, sind wir insbesondere im späteren Spielverlauf darauf angewiesen, Kämpfe taktisch anzugehen. Dazu gehört die richtige Vorbereitung mit Ölen, Tränken, Bomben und Fallen. Aber auch eine Mischung aus Angreifen, Blocken und Ausweichen. Dabei ist das Spiel nicht immer fair: Insbesondere der erste Kampf gegen den wahren Königsmörder ist aufgrund des engen Terrains und Geralts zu Beginn noch eingeschränkten Fertigkeiten zu schwer geraten. Derlei Balancepatzer bleiben aber die Ausnahme in den insgesamt spannend-fordernden und wuchtig in Szene gesetzten  Kämpfen. So ähnelt die Beseitigung eines Kayrans in Sachen Inszenierung stark an die spektakulären Bosskämpfe aus Resident Evil 5, bei denen man die Schwachstellen der einzelnen Bosse erst einmal finden und angehen musste, um ernsthaften Schaden zu wirken.

Rollenspieltypisch sammeln wir im Kampf Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und schalten Talentpunkte frei. Diese wiederum investieren wir in die Hexer-Talentbäume, die sogenannten Schemata, Training, Schwertkampf, Alchemie und Magie. Das Spiel gibt dabei vor, dass die ersten sechs Punkte zur Freischaltung von Fertigkeiten im Trainingsschema genutzt werden müssen. Erst danach dürfen wir die Punkte frei verteilen und Geralt nach unserem Gusto weiterentwickeln. Wollen wir die Dauer von Tränken oder die Schadenswirkung von Bomben erhöhen, so sollten wir vermehrt Punkte in Alchemie investieren. Schwertkampfpuristen verringern den erhaltenen Schaden bei Angriffen von hinten oder schalten die Möglichkeit zum Kontern im Schema Schwertkampf frei. Freunde der Magie legen ihren Fokus auf das gleichnamige Schema und verstärken so die Wirkung der Hexerzeichen und steigern ihre Magieresistenzen. Außerdem dürfen wir bestimmte Fertigkeiten mutieren lassen, indem wir kleine, mittlere oder große Mutagene verwenden, um so unsere Vitalität oder den ausgeteilten Schwertschaden zu erhöhen. Tränke, Fallen und Bomben stellen wir nicht nur selber her, falls wir das entsprechende Rezept und die dafür benötigten Zutaten im Gepäck haben, sondern können diese auch bei entsprechenden Händlern erwerben. Bei den Schmieden erstehen wir so neue Rüstungen oder Schwerter. Wir können unsere alte Ausrüstung aber auch durch entsprechende Aufwertungen verbessern, die wir im Inventar anwenden.

Wir sehen ROT

Basierte das Vorgängerspiel noch auf einer eigens gemoddeten und weiterentwickelten Aurora-Engine, die im Original unter anderem in Neverwinter Nights Verwendung fand, so hat CD Projekt Red mit der RED Engine den Programmunterbau komplett selbst gestaltet. Und dieser kann sich wirklich sehen lassen: Scharfe Texturen, hübsche Lichtstimmungen und Effekte, geschmeidige Animationen – das zweite Hexerabenteuer ist eine Augenweide. Ob wir nun durch die Wildnis um Flotsam umherstreifen und in einer ehemaligen, verfallenen Nervenheilanstalt Geisterjäger spielen oder die alten elfischen Ruinen von Loc Muinne erkunden: The Witcher 2: Assassins of Kings bleibt stets authentisch und lebendig. Dazu tragen auch die hervorragenden Sprecher und der wuchtige Soundtrack ihren Teil bei. Obwohl es „nur“ mit DirectX9 API daherkommt, vermag das zweite Hexerabenteuer eine grafische Qualität und Atmosphäre auf den Bildschirm zu zaubern, die es zum derzeit schönsten Rollenspiel auf dem Markt machen. Als storylastiger Gegenentwurf zu open world-Titeln wie The Elder Scrolls V: Skyrim kann es allerdings nicht immer Level- und Weltbegrenzungen kaschieren. Derartige Abstriche in der Atmosphäre bleiben aber die Ausnahme in einem technisch rundum gelungenen Rollenspielabenteuer.

Fazit

Nachdem die erste Versoftung des Hexers schon außerordentlich gut ankam, sind die Erwartungen an den Nachfolger natürlich umso größer geraten. Und trotz des etwas enttäuschenden Finales kann man von The Witcher 2: Assassins of Kings guten Gewissens behaupten, dass es ein heißer Kandidat für den Titel „Spiel des Jahres“ sein dürfte. Gerade Freunde gut erzählter Geschichten dürften ihre helle Freude daran haben, den Hexer auf die Jagd nach dem Königsmörder zu schicken und dabei Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen unmittelbar in Erscheinung treten und den Storyverlauf maßgeblich beeinflussen. CD Projekt serviert den Spielern erneut eine Welt, die sich selbst nicht schönt und die vom blutig ausgetragenen Konflikt zwischen Anderlingen und Menschen beherrscht wird. Außerdem bleibt anzumerken, dass der Entwickler entgegen manchem DLC-Wahn auch große Content-Updates für lau anbietet und den PC als Leadplattform sieht. Besitzer einer XBOX 360 dürfen sich schon einmal auf den März 2012 freuen, dann nämlich soll der Hexer sein Debüt auf der Konsole feiern.

Briefgeschäft, oh Briefgeschäft

Lange schon hat die Deutsche Post mit ihrer Sparte Brief ein Problem: In Zeiten des Internets, von Web 2.0 benötigt der Privatkunde nur selten die Dienstleistungen des Briefversands. Eine E-Mail ist schnell getippt und quasi sofort beim Adressaten – ganz ohne Briefmarke und Postboten. Und wenn eine elektronische Mail mal nicht bei ihrem Empfänger ankommen sollte, dann weist uns der Mail Daemon darauf hin und wir können im Ausschlussverfahren feststellen, ob wir in der Empfängeradresse einen Tippfehler eingebaut oder eine gänzlich falsche Mailadresse eingegeben haben. Jedenfalls ist der elektronische Mailverkehr sicher. Wenn man die Bestrebungen nach Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner und Co einmal außer Acht lässt.

Der analoge Brief punktet nicht nur in Sachen Attraktivität nicht mehr, auch die Sicherheit kann der des digitalen Pendants nicht das Wasser reichen. Nicht mehr. In Zeiten, in denen die Post noch nicht in Konkurrenz zum Internet treten musste, lautete die oberste Maxime beim Abfertigen der Postsendungen „die Wahrung des Briefgeheimnisses“. Leider scheint dies heute so genau und ernst nicht mehr genommen zu werden. Anders kann ich mir nicht erklären, dass binnen eines Jahres insgesamt drei Postsendungen ihre Adressaten nicht erreicht haben.

Postsendung eins enthielt eine für mich bestimmte Geburtstagskarte inklusive Geldgeschenk – die jedoch niemals ankam. Nun ist bekannt, dass die Post selbst und hochoffiziell davon abrät, Geld per Briefumschlag zu verschicken. So weit, so gut. Nur ist das keine Entschuldigung dafür, dass regelmäßig Briefsendungen verschwinden, die eine Geburtstags- oder Glückwunschkarte enthalten könnten. Denn Postsendung zwei enthielt ebenfalls eine Geburtstagskarte – diesmal jedoch ohne beigefügtes Geld. Trotzdem erreichte auch diese Sendung niemals ihren Bestimmungsort in den heimischen vier Wänden. Und wenn die Absender mich nicht nach den Karten gefragt hätten – ich wüsste selbst heute noch nicht, dass für mich bestimmte Post Verschütt gegangen ist.

Postsendung drei ist gerade frisch verschwunden und dürfte im Grunde genommen nur dadurch interessant gewesen sein, dass sie an meine Mutter adressiert war. Enthalten hat sie nämlich ein Dokument, eine Bestätigung meines geleisteten Zivildienstes für studienrelevante Angelegenheiten. Dumm nur, dass dieses Dokument nicht einfach aus Jux und Dollerei verschickt wurde, sondern sehr wohl wichtig ist. Wenn man dann eine Woche nach Einwurf des Briefes in den Briefkasten erfährt, dass dieser immer noch nicht den Bestimmungsort innerhalb der BRD erreicht hat, dann ist klar: Da ist mal wieder Post mit potenziellem Geldwert aussortiert worden. Und das kann beim besten Willen nicht sein! Denn solche Vorfälle dürften wohl kaum zur Erholung des Briefgeschäfts der Post beitragen, im Gegenteil: Es bedeutet nur mehr schlechte Presse und sorgt für negative Meinungsbilder. Letztlich ist eine Post, die die korrekte und gesicherte Zustellung der von ihr entgegengenommen Sendungen nicht mehr garantieren kann schlichtweg überflüssig. Nur: Wer soll dann Omas Glückwunschkarte zum Geburtstag an den Enkel zustellen? Deswegen, liebes Briefgeschäft der Deutschen Post, appelliere ich hier an dich: Deine alten Werte wie Zuverlässigkeit oder die Wahrung des Briefgeheimnisses müssen wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Sonst verspielst du selbst deine Daseinsberechtigung.

Verschwendung von Nahrungsmitteln – live & in Farbe

Ja, ich gestehe: Obwohl das Format schon lange nicht mehr die Wissenssendung ist, als die es auf dem Privatsender ProSieben ursprünglich ‚on Air‘ ging, schaue ich Galileo sonntags und auch unter der Woche immer wieder mal gerne. Denn es werden doch immer mal wieder recht interessante Themen behandelt und Wissenswertes erläutert. Eine Themensparte allerdings ist in meinen Augen dermaßen überflüssig, dass ich mich stets aufs Neue aufrege, wenn sie präsentiert wird. Die Rede ist von den XXL-Geschichten, serviert von ‚Jumbo Schreiner‘. Der gute Mann tourt durch Deutschland und die Welt, um bei der Entstehung des weltgrößten Reibeplätzchens oder der Guinessbuch-Rostwurst dabei zu sein. Er ist Galileoreporter im XXL-Format und berichtet von Essensportionen Maße Xtra-Xtra-Large, ganz im Geiste der Fast-Food-Industrie.

Dass eben diese Industrie dafür verantwortlich ist, dass in Deutschland und den übrigen reichen Industrienationen immer mehr Kinder und auch Erwachsene krankhaft dick sind, scheint die Macher von Galileo nicht zu beeindrucken. Adipositas und der durchschnittlich zunehmde Körperumfang der Bevölkerung sind eine wohlstandsbedingte Volkskrankheit. Ja, Krankheit! Und dagegen sollte man etwas unternehmen, dem entgegen steuern, damit sich daran etwas ändert. Der TV-Koch Jamie Oliver hat es in Großbritannien vorgemacht und frisches Essen in die Schulkantinen gebracht, weil der britische Nachwuchs immer dicker wurde. Fertigessen und Fast Food flogen vom Speiseplan. Wenn aber hierzulande zur besten Sendezeit ein Wissensmagazin über die heimischen Mattscheiben flimmert, das Essen in XXL-Portionen immer wieder unkritisch thematisiert und den übermäßigen Nahrungsmittelkonsum noch in den Mittelpunkt rückt, dann ist das dem Gedanken nicht gerade zuträglich. Die Medienschaffenden tragen doch eine Verantwortung ihren Konsumenten gegenüber. Wie pervers bitteschön ist es, wenn im deutschen Fernsehen 14.000 Scheiben Weißbrot für einen bescheuerten Rekordversuch genutzt werden, indem man sie in vier Stufen toastet (von leicht knusprig bis absolut verkohlt) und dann mit ihnen das Konterfei Einsteins legt? Wie kann es sein, dass die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Frau Ilse Aigner, dafür wirbt, dass weniger Nahrungsmittel in deutschen Hauslten im Müll landen und im TV – noch dazu in einer Wissenssendung – das Grundnahrungsmittel Brot in rauen Mengen als ‚Baumaterial‘ benutzt wird? Und diese zweckentfremdeten Nahrungsmittel anschließend nur noch in der Mülltonne landen?

Als Zuschauer frage ich mich ernsthaft, wie es denn sein kann, dass ein Sender mit dem jährlichen Event ‚Red Nose Day‘ soziales Engeagement zeigen möchte, Hilfsbedürftige und auch Hungernde in den unterentwickelten sowie notleidenden Teilen der Welt unterstützt und dann in einem so fragwürdigen Rekordversuch Lebensmittel in Masse zu Unterhaltungszwecken verbrät. Die andere Frage die sich stellt: Wer fühlt sich dadurch unterhalten? Ich jedenfalls nicht. Aber ich bin auch kein Freund von Fast Food und XXL-Portionen finde ich per se abartig.

Hier und jetzt bleibt mir jedenfalls nur zu sagen: Liebe Leute von ProSieben und Galileo, das war wirklich ein Satz mit ‚x‘!

Update 07/11/2011

Man soll ja auch zu seinen Fehlern stehen. In diesem Fall ist bei mir vor lauter Empörung über den Rekordversuch und eine erneute XXL-Folge mit Jumbo Schreiner untergegangen, dass das verwendete Weißbrot bereits abgelaufen war und damit nicht mehr als Nahrungsmittel zählt. Und angeblich sollen die Toastbrotscheiben anschließend an Schweine verfüttert worden sein. Lecker. Wenn bei uns am Frühstückstisch verbrannter Toast aus dem Toastgerät schoss, dann bestand die Mutti darauf, dass diese Scheiben in den Mülleimer wandern. Wegen Krebsgefahr und so. Aber vielleicht bringt verkohltes und angebranntes Weißbrot dem Geschmack des Schweinefleischs auch erst den richtigen Kick?! Jedenfalls bleibe ich dabei, dass dieser Rekordversuch absoluter Blödsinn war, den ProSieben noch mitgetragen hat. Denn wie sagte die Mutti ebenfalls – mit Essen spielt man nicht. Auch dann nicht, wenn es niemand mehr (außer ein paar armen Schweinen) essen will.