Parfum – ein Gefahrgut?

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Neulich, genauer gesagt am 3. Advent, sollten Weihnachtsgeschenke bestellt werden. Immerhin ist es nicht mehr lange hin, bis das Christkindl für Familienzusammenkunft und Feiertagsstress sorgt. Dank des Internets und den gängigen Onlineshops kann man wenigstens die Vorweihnachtszeit entstresster angehen, von Zuhaus aus bummeln und die Weihnachtseinkäufe erledigen. Und die Wahrscheinlichkeit dabei noch das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern, liegt zudem noch relativ hoch. Günstige Weihnachtsangebote locken die Menschen vor die Computer, anstatt sie durch überfüllte Städte in Kaufhäuser, durch Menschenmengen hasten zu lassen. Kein Wunder also, dass die Onlinegeschäfte gerade im letzten Quartal des Jahres gut Umsatz machen.

Jedenfalls sollten über Amazon, dem Onlinekaufhaus meiner Wahl, Geschenke fürs Fest bestellt werden. Darunter auch das ein oder andere Parfum. Was sich als Problem herausstellen sollte. Denn: Amazon wertet Parfum als Gefahrgut. Und solches kann man sich nicht an die Packstation schicken lassen. Auf Amazon jedenfalls nicht. Da mutet es ein wenig seltsam an, dass andere Shops den Versand von Parfum an Packstationen zulassen. Und das auch noch ganz ohne Vermerk „Achtung: Gefahrgut“ auf dem Paket.

Als Kunde komme ich mir veralbert vor. Für die Packstation hatte ich mich erst vor einem Jahr registriert, um unabhängig von meiner Anwesenheit Zuhause rund um die Uhr Pakete empfangen und abholen zu können, ohne dass meine Bestellung vorher durch Nachbars Hände geht. Das klappt soweit hervorragend, auch wenn es bei Kapazitätsauslastung der Packstation zur Sendungsumleitung in den nächsten Verkaufspunkt der Post geht. Jedenfalls saß ich ziemlich verwundert da, als das Amazon-Bestellsystem bei Angabe der Packstation als Lieferadresse die Meldung ausgab, dass ein Versand der Parfums nicht möglich sei. Nach kurzer Recherche stolperte ich auch über die Gefahrgut-Klausel. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie der ausschlaggebende Punkt sein sollte – immerhin hatte ich erst letzte Woche zwei bei ebay ersteigerte Parfums problemlos an die Packstation adressiert – hakte ich flugs bei Amazon nach, wieso der Versand an die Packstation nicht möglich ist. Bei der Gelegenheit merkte ich dann gleich noch einmal an, dass die Packstation immer erste Wahl ist, da so sichergestellt wird, dass die Bestellung tatsächlich persönlich entgegengenommen wird.

Als Antwort kam vonseiten Amazon unerwarteterweise der explizite Verweis auf die Gefahrgut-Klausel nach GGSVE, der Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn. Und die Bitte, ich solle bei entsprechendem Interesse doch eine andere Lieferadresse angeben. Okay, habe ich mir gedacht, vielleicht ist es ja möglich direkt mit Amazon noch vor Absendung der Bestellung abzuklären, ob die Bestellung so auf den Weg gebracht werden kann, dass sie bei Nichtantreffen meiner Wenigkeit direkt an die nächste Post umgeleitet wird – ohne vorherigen Versuch der Nachbarschaftsabgabe. Entsprechendes habe ich angefragt. Darauf bekam ich als Antwort, ich könne meine Wohnadresse nutzen. Sollte ich nicht persönlich angetroffen werden, so wird die Sendung entweder erneut zugestellt oder als Ersatzzustellung beim Nachbarn abgeladen. Na toll, Standardverfahren der DHL. Das habe ich vorher auch bereits gewusst und war nicht meine Frage.

Etwas verärgert fasste ich den Entschluss, die Bestellung erst einmal abzuschließen und dann mit Bezug auf die abgegebene Bestellung einen erneuten Dialogversuch zu starten. Gesagt, getan. Dieses Mal formulierte ich meine Anfrage verständlicher, indem ich explizit darum bat, dass ich keine Nachbarschaftsabgabe wünsche. Hier der originale Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie bitten an den Logistikpartner weiterzutragen, dass die Sendung nur an mich persönlich ausgehändigt wird. Eine Entgegennahme durch einen Nachbarn wünsche ich NICHT, da hier im Haus bereits eine durch einen Nachbarn entgegengenommene Sendung verloren gegangen ist. Um Ihnen und mir möglichen Ärger zu ersparen, bitte ich Sie stattdessen dafür zu sorgen, dass die Sendung bei Nichtanwesenheit meiner Person direkt an die nächste Post geliefert wird. Beste Grüße, Stefan Ehring“

Zurück kam eine Antwort, die ich einmal mehr so nicht erwartet hätte. Und die meine Verärgerung exponentiell steigerte:

„Guten Tag, wenn Sie den Empfang Ihrer Sendungen auf bestimmte Personen beschränken möchten, empfehlen wir Ihnen, sich direkt an Ihren Zusteller zu wenden.

Der Zusteller wird Sie sicher gerne über die von der Post angebotenen Möglichkeiten informieren. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, sich bei DHL entweder telefonisch direkt unter 01 80 5-3 45 22 55 (0,14 EUR pro Minute aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 EUR pro Minute aus den Mobilfunknetzen) oder online (http://www.dhl.de/de/paket/privatkunden/keiner-zu-hause.html) kundig zu machen.

In vielen Fällen hilft übrigens auch ein Zettel am Briefkasten mit einem entsprechenden Hinweis.

Eventuell ist auch eine Lieferung an eine Packstation Ihrer Wahl eine Alternative für Sie. Dort können Sie Ihre Pakete rund um die Uhr und ohne Wartezeit abholen. Weitere Informationen finden Sie auf folgender Hilfeseite:

http://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=13162111

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch bei Amazon.de.“

Uff – laut Amazon ist der Kunde also derjenige, der DHL beauftragt? Wohl kaum. Offensichtlich ist es dem Unternehmen egal, WER die Lieferung entgegennimmt, selbst wenn die Möglichkeit der Unterschlagung durch den Nachbarn besteht. Unglaublich! Erst die Sache mit dem Pseudo-Gefahrengut, dann diese schlichte Abspeisung der Anfrage – und ein erneuter Verweis auf die Packstation. Aber nicht mit mir: Freund geschnappt, der ganz zufällig Speditionskaufmann und Gefahrgutbeauftragter in seiner Abteilung ist und nachgefragt, inwiefern Parfum denn Gefahrgut sein soll. Dabei stellte sich raus, dass die Statuten von Amazon zur Behandlung von Gefahrgut sich nicht nach GGSVE richten und dass handelsübliches Parfum gar kein Gefahrgut sein kann, da sonst der Transport und auch der Verkauf in Parfümerien dann nur noch unter starken Auflagen möglich wäre. Selbiges gilt für Flughäfen und Duty Free Shops, in denen Parfums sich stets gut verkaufen.

Liebe Leute von Amazon: Parfum ist kein Gefahrgut und sollte problemlos an eine Packstation zu liefern sein. Und wenn ihr tatsächlich den Ansporn habt, das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu werden, dann habt ihr noch einen weiten Weg. Mein persönliches Feedback zu der ganzen Angelegenheit fiel jedenfalls äußerst negativ aus. Aber vielleicht kauft man Parfum besser einfach woanders und lässt sie sich an die Packstation liefern…

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‚Imbalanced?‘ – ‚Nö, das ist nur der Kopierschutz!‘

Mal ehrlich: Wenn man sich auf dem heutigen PC-Spielemarkt umschaut, wird man von DRM- und Kopierschutzmaßnahmen nur so belagert. Ubisoft bindet seine Titel an den hauseigenen Ubilauncher, der teilweise eine dauerhafte Internetverbindung voraussetzt. Valve hat mit Steam nicht nur die größte und derzeit wichtigste Online-Vertriebsplattform auf dem Markt, sondern liefert anderen Publishern gleichzeitig ein ausgeklügeltes Authentifizierungs- und Verifzierungssystem. In diese Höhen strebt auch EA mit der Konkurrenzplattform Origin, die durch unlautere Nutzungsbedingungen und zweifelhafte Scanvorgänge groß in den Schlagzeilen stand.

Immer neue und ausgeklügeltere Maßnahmen werden von den Spieleschaffenden erdacht, um nur denjenigen Spielspaß zu gönnen, die dafür bezahlt haben. Das ist nur gerecht, die Leute hinter den Spielen müssen nunmal auch ihre Mieten und ihr Essen bezahlen. Allerdings ist es für den ehrlichen Käufern eine Zumutung, wenn Kopierschutzmaßnahmen die Frameraten extrem drücken, wie es bei der Releaseversion von „The Witcher 2″ der Fall gewesen ist. Oder wenn nur gespielt werden kann, solange eine Onlineverbindung besteht – wie es bei einigen Titeln aus dem Hause Ubisoft der Fall ist.

Eine ganz andere Art des Kopierschutzes haben die Entwickler von Croteam in ihr jüngstes Werk, Serious Sam 3: B(attle) F(or) E(arth) einfließen lassen. Dort werden Raubkopierer damit bestraft, dass sich ein unbesiegbarer Riesenskorpion auf Speed an ihre Fersen heftet und so dem Spielspaß einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Wie jeder andere Kopierschutz, so dürfte auch dieser nur eine geringe Halbwertszeit besitzen. Dennoch zeigt die Implementierung eines unkaputtbaren Übergegners auf der Jagd nach Raupkopierern deutlich, mit welchem Witz ein Entwicklerstudio dem sehr ernsten Thema begegnen kann. Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn ich mich über Spieler lustig machen kann, die Toptitel wie“ The Elder Scrolls V: Skyrim“ nicht vernünftig spielen können, weil sie statt Waffen lediglich Blümchen finden und kaufen können. Oder wenn in „Batman: Arkham City“ der dunkle Ritter plötzlich pazifistische Züge aufweist und Auseinandersetzungen mit Arkham-Insassen meditierenderweise aus dem Weg geht. Solche Elemente würden in jedem Fall einen besseren Kaufanreiz für Raubkopierer bieten, als es derzeit mit den etablierten Maßnahmen der Fall ist. Außerdem bleiben Käufer von unliebsamen Nebenwirkungen bedingt durch Kopierschutz oder DRM so verschont. Eine Win-Win-Situation sozusagen. Und lustige PR obendrein.