Die Gewalten der Natur

Was gestern über Rhein und Ruhr fegte, das war laut den Worten meines Großvaters, der mit 88 Jahren schon manches Unwetter erlebt hat, das schlimmste, an das er sich erinnern könne. Faszinierend jedoch war die Entstehung des Gewitters, die man in Essen Frohnhausen gegen 21:00 Uhr am Himmel beobachten konnte und von der ich auch gerne Bilder gemacht hätte, qualitativ aber nichts adäquates herausbekommen habe, nur mit einem Smartphone bewaffnet. Als das Unwetter dann so richtig loslegte, regnete es so stark gegen die geschlossenen Fenster, dass Wasser in die Wohnung drang. Und in die Kellerabteile, aus denen ich  jeweils ca. einen viertelvollen Eimer Wasser herausholen konnte. Unser Auto wurde haarscharf von einem großen Ast verfehlt. Und auch die Äste/Bäume hinterm Haus, die es infolge der Windgeschwindigkeiten erlegt hatte, fielen am Gebäude vorbei zu Boden.

Heute Morgen wurden dann die gröbsten Sturmschäden in der Nachbarschaft behoben, Äste von der Straße auf die Wiese gezogen, umgefallene Bäume zerkleinert und die Abflüsse von Laubwerk und Dreck befreit, damit der nächste Regenguss nicht sofort zu einer aufgestauten Wassermasse führt. Ein paar Impressionen vom Unwetterchaos aus der näheren Umgebung habe ich dann bei Tageslicht eingefangen:

Diese Welle macht heiß!

Eigentlich kommt sie aus der Nachrichtentechnik. Aber seit über 55 Jahren findet sie in den heimischen Küchen Verwendung. Sie hilft Hausfrauen und -männern bei der Essenszubereitung Zeit zu sparen. Kochmuffel können mit ihrer Hilfe den Herd meiden: Die Mikrowelle.

Wenn Iris Thul-Scheuer ihre 20 Jahre alte Mikrowelle anwirft, dann tut sie das eigentlich nur, um schnell mal etwas aufzuwärmen oder ganz selten etwas aufzutauen. Die heute 49-Jährige Berufstätige kauft sich 1990 als Mutter von zwei Söhnen zusammen mit ihrem Mann ihre erste Mikrowelle. Trotz vieler Bedenken. Anfangs nehmen lediglich die beiden Eltern im Mikrowellengerät aufgewärmte Speisen zu sich. Den Kindern in der Mikrowelle aufbereitetes Essen aufzutischen, behagt der Hausfrau nicht. Doch sie informiert sich in den Medien und stellt mit der Einschulung der Söhne sowie der Ausübung eines Berufes das klassische Mittagessen um. Fortan stehen für die Kinder vorportionierte Teller im Kühlschrank bereit, die nur noch kurz in der Mikrowelle aufgewärmt werden müssen. So kann sie vorkochen und die Speisen dem individuellen Geschmack ihrer Söhne angepasst auf den Tellern portionieren. Iris nennt dies eine „praktische, ordnungsbedingte Nutzung der Mikrowelle“.

Am Anfang war ein Schokoriegel

Mikrowellenherde, wie sich Mikrowellen im Fachjargon nennen, finden seit etwa 1954 Verwendung in der heimischen Küche. Wegbereiter für den Einzug der Mikrowellentechnologie in die Haushalte ist der Amerikaner Percy Spencer. Er macht bei der Arbeit an einer Radaranlage für die Firma Raytheon zufällig die Entdeckung, dass ein Schokoriegel in seiner Tasche schmilzt. Spencer findet heraus, dass die Mikrowellenstrahlen verantwortlich für das ungewollte Schmelzen des Schokoriegels sind. 1947 baut er den ersten Mikrowellenherd im Kühlschrankformat. Acht Jahre später wird einer der ersten kommerziellen Mikrowellenherde auf den amerikanischen Markt gebracht. Seitdem feiert der Mikrowellenherd seinen Siegeszug in die Haushalte – weltweit.

Wie Mikrowellen unser Essen erwärmen

Essenzieller Bestandteil eines Mikrowellenherds ist das Magnetron. Dieses Bauteil erzeugt Mikrowellen und leitet diese in den Garraum. Dort treten sie einige Zentimeter tief in die Speisen ein und sorgen dafür, dass die Wassermoleküle im Essen energetisch aufgeladen und in Schwingung versetzt werden. Das Essen erhitzt sich. Damit dies möglichst gleichmäßig passiert, besitzen Mikrowellenherde sogenannte Stirrer. Diese Stirrer sind willkürlich geformte Metallflügel, die an der Garraumdecke rotieren und die Entstehung von stehenden Wellen verhindern. Außerdem tragen auch Drehteller zu einer gleichmäßigen Erhitzung von Speisen bei.

Kochen – besser ohne Mikrowelle

Jungkoch Patrick Clemens hält nicht viel von Mikrowellen und ihrer Verbreitung in Küchen. Zwar räumt er ein, dass sie für Leute ohne großes Interesse am Kochen eine tolle Erfindung seien. Immerhin gibt der Markt die unterschiedlichsten Fertigprodukte für diese Küchengeräte her. Aber gutes Essen und eine Mikrowelle – das verträgt sich seiner Meinung nach nicht. „Umso bedauerlicher ist,“ sagt er, „dass selbst in manchen Betrieben aus Zeitgründen Mikrowellen eingesetzt werden“. Dies geschieht nicht nur, um ein frisch aus der Kühlung kommendes Stück Butter zu verflüssigen. Sondern auch, um Fleisch oder andere hitzekritische Nahrungsmittel schneller an den Gast zu bringen.

Technik und ihre Tücken

Was die Werbung weißzumachen versucht und wie es in der Realität aussieht, sind oft zwei Paar Schuhe. Das weiß auch Iris. Zwar ist ihre Mikrowelle, ein teures Markengerät, wie sie mit gewissem Stolz berichtet, in 20 Jahren Gebrauch nie kaputt gewesen. Aber die Speisen zuverlässig und gleichmäßig erhitzt, das hat das Gerät entgegen der Aussagen des Herstellers noch nie. Trotzdem kommt für Iris der Kauf eines neuen Gerätes nicht in Frage. Solange das Gerät funktioniert, wird es nicht ausgetauscht. Auch nicht vor dem Hintergrund, dass nach langen Jahren der Nutzung die Strahlungsabschirmung nicht mehr flächendeckend gewährleistet sein könnte. „Elektrosmog ist ohnehin allgegenwärtig“, kommentiert Iris diese Tatsache „und außerdem wird die Mikrowelle nur wenn nötig genutzt.“

Eine redigierte Onlinejournalismusarbeit aus dem ersten Semester, gerettet von einem nunmehr toten Portal. Leider sind die zugehörigen Bilder im Limbus verschwunden.

Systemumstellung der Packstation oder: Ärger mit der Post

Die Post bzw. DHL und ich als Privatkunde: Bislang habe ich mit dem deutschen Transportunternehmen keinerlei Erfahrungen gemacht, aufgrund derer ich etwas Negatives sagen könnte. Klar: wenn Briefe bzw. die Post mal nicht ankommt, weil darin Geburtstags- oder Glückwunschkartenenthalten sind, dann ist das nicht nur ärgerlich, sondern vielmehr ein Unding. Auf der anderen Seite: Wer schickt heutzutage überhaupt noch Karten und steckt dann auch noch etwas Wertvolles mit hinein? Die Verwandtschaft ist jedenfalls entsprechend instruiert worden: Keine Geld- oder Gutscheingeschenke per Post, wenn überhaupt, dann als Einschreiben oder als Päckchen bzw. Paket. Das kommt noch sicher an und wird nicht von diebischen Mitarbeitern aussortiert.

Meine persönliche Frustschwelle allerdings ist am gestrigen Abend ausgereizt worden, als ich eine Sendung an der Packstation abholen wollte. Aber eines nach dem anderen. Der Service, sich Sendungen an diese Packstation genannten Selbstbedienungsterminals zu senden, ist wirklich ein Segen. Gerade wenn man seine Sachen nicht erst beim Nachbarn abholen möchte oder sich nach vergeblich versuchter Zustellung an die Öffnungszeiten der nächsten Poststation richten muss. Allerdings bringt dieser Vorteil nichts, wenn die Sendung gar nicht erst zugestellt wird. So geschehen mit gleich zwei unterschiedlichen Sendungen, die beide Ende Oktober versendet wurden. Erst auf Rückfrage beim Sender hat sich dann herausgestellt, dass beide Sendungen wohl unterwegs verloren gegangen sind. Nie zuvor vorgekommen und dann direkt ein gleichzeitiges Verschwinden zweier Sendungen. Wenigstens haben die Sender gut reagiert und trotz Stellen von Nachforschungsanträgen Ersatzsendungen verschickt. Davon kam eine just am gestrigen Freitag an der Packstation an.

Bildautor: Klaus Mueller
A Packstation in Munich in the winter; Bildautor: Klaus Mueller

Nun hat sich das Sicherheitsverfahren an den Packstationen mit Wirkung zum 29. Oktober 2012 geändert. Die bislang gültige PIN wurde durch das mTAN-Verfahren ausgetauscht – ohne dass man den Kunden die Wahl gelassen hat. Ich für meinen Teil möchte meine Mobil- oder Telefonnummer ungern an Unternehmen herausgeben. Und gerade die erhöhte Sicherheit, die sich die Post vom mTAN-Verfahren verspricht, ist ein Witz. Wie viele Leute machen sich mit ihren Smartphones keine Gedanken über Sicherheit, nutzen freie WLANs oder haben nicht einmal einen Virenscanner auf dem Handy installiert? Vom überwiegenden Teil der Smartphone-Nutzer zu sprechen, dürfte keine Übertreibung sein. Dennoch erfolgte die Zwangsumstellung. Nun aber zurück zur Sendung: Diese wollte ich am gestrigen Abend abholen und wurde im Dialog auf dem Bildschirm wider Erwarten nach meiner PIN gefragt – obwohl das System umgestellt sein sollte. Diese habe ich dann gemäß der Aufforderung eingegeben, dreimal in Folge. Dann wurde die Karte gesperrt, ohne dass zuvor ein Hinweis kam, die PIN sei falsch oder nur noch ein Versuch bleibe vor Sperrung der Karte. Als die Zugangskarte dann entfernt und wieder in den Leseschlitz gesteckt wurde, poppte dann die erwartete Abfrage nach der mTAN auf. Da die Karte allerdings gesperrt war, konnte ich die Sendung nicht abholen. Stattdessen habe ich mich ziemlich wütend auf den Heimweg gemacht und der Post die folgende E-Mail gesendet:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem die letzten zwei an mich adressierten Sendungen nach einer Woche nicht bei mir angekommen sind und Nachforschungsanträge gestellt werden mussten, habe ich mich heute mit der Packstation und der Umstellung auf die mobile Tan herumärgern müssen. Bei Abholung des Pakets bin ich im Dialog auf dem Bildschirm aufgefordert worden, meine PIN einzugeben. Dies habe ich dreimal in Folge probiert, dann wurde die Karte gesperrt. Als ich die Karte dann aus dem Kartenschlitz genommen und erneut eingeführt habe, bin ich nach der mTAN gefragt worden. Da die Karte aber bereits vom System gesperrt war, habe ich meine Sendung nicht abholen können. Ich bitte Sie deshalb um Reaktivierung meiner Karte. Außerdem rate ich Ihnen, die Systeme – sollte es noch einmal zu einer ähnlichen Sicherheitsumstellung kommen – ausgiebig zu testen.

Gruß,

Stefan Ehring“

Auf diese E-Mail gibt es bis zu diesem Zeitpunkt keine Antwort. Allerdings hat sich das Problem bereits gelöst, da das Twitter-Team der Post @DHLPaket ziemlich gute Arbeit leistet. Ein entsprechender Tweet inklusive Verlinkung zu diesem Blogeintrag brachte einen Antworttweet, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ich eine Mail mit meinen Kontaktdaten an twitter@dhl.com schicken möge. Gesagt getan. Dann noch eine neue mTAN bekommen und heute Morgen hat es keinerlei Probleme beim Abholen der Sendung an der Packstation gegeben. So hätte es eigentlich von Anfang an laufen sollen. Jetzt frage ich mich nur, ob ich zumindest noch eine entschuldigende Antwort auf meine E-Mail vom 09.11.2012 bekomme…

Die Empörung und Unzufriedenheit der DHL-Kunden mit bevorzugter Packstation-Zustellung hat das Thema chaotische Systemumstellung in die regulären Medien gespült. Unter dem nachfolgenden Link geht es zum Artikel der Onlineausgabe vom Stern Servicedesaster bei DHL: Chaos an der Packstation

Im Kommentarbereich dürfen übrigens eigene Erfahrungen zur Systemumstellung oder zur Post/DHL allgemein gepostet werden!

Update: Heute erreichte mich von DHL eine Entschuldigungsmail inklusive Gutschein in Höhe von 10 € für meinpaket.de. Eine nette Geste, auch wenn man das Durcheinander und den Ärger auf Kundenseite im Vornherein hätte vermeiden können.

„Sehr geehrter Herr Ehring,

durch die Umstellung von PACKSTATION auf das mTAN-Prinzip kam es in den letzten Tagen zu erhöhten Kundenanfragen in unserem Service Center und damit auch für Sie zu Wartezeiten am Telefon.

Wir möchten uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und Ihnen als Wiedergutmachung eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Hiermit senden wir Ihnen einen Einkaufsgutschein in Höhe von 10 Euro* für MeinPaket.de. Suchen Sie sich in einem der Shops etwas Schönes aus und geben den Gutscheincode einfach am Ende des Bestellprozesses ein.
Ihr Code lautet: XXXXXXXXXXXX

Sollten Sie noch Fragen zu mTAN haben, dann finden Sie weitere Informationen hier.

Freundliche Grüße
Ihr DHL Team“

Still Alive

07. November 2012 – das fünfte Semester des Studiums Multimedia und Kommunikation an der Hochschule Ansbach läuft bereits seit einem guten Monat, Planungen und Arbeiten für Studienarbeiten werden auf Hochtouren abgearbeitet. Vergangenes Wochenende erfolgten dann auch bereits für eine Imagefilm-Studienarbeit im Modul Business TV (Schwerpunkt Journalismus) die Dreharbeiten in einem zahntechnischem Labor bei Frankfurt am Main. Bis Anfang Dezember soll der Beitrag in Absprache mit dem Kunden an selbigen zur weihnachtlichen Akquise übergeben werden. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ein wenig Zurücklehnen kann man sich um Weihnachten herum, bevor es dann im Januar langsam aber sicher ernst und zeitkritisch mit den Studienarbeiten wird.

Azubi Stefan Ehring Jobboerse HOCHTIEF

Apropos früh: Erst an diesem Abend habe ich entdeckt, dass mein Ausbildungsbetrieb, die HOCHTIEF Aktiengesellschaft, auf Twitter aktiv ist und nach einem kurzen Durchforsten der Unternehmenswebseite das obige Bild entdeckt. Unglaublich, dass die Aufnahme bereits vor 3-4 Jahren entstanden ist. In diesem Sinne an dieser Stelle mal einen virtuellen Gruß an die anderen drei Azubi-Models.

Und weil das erste Bild bereits so schön war, gibt es an dieser Stelle noch ein zweites:

Lernspass Azubis Hochtief

Ein Klick auf die Bilder öffnet übrigens die Stellenbörse von HOCHTIEF.

Statusupdate im März

Huch – da habe ich just feststellen müssen, dass der letzte Blogeintrag tatsächlich bereits eineinhalb Monate und damit in den eisigen Wochen des Januars zurückliegt. Zeit also, das zu ändern. Dieses Mal mit einem eher tagebuchähnlichen Beitrag, der angesichts der Neuerungen im Monat März zustande gekommen ist.

Am 01. März nämlich hat mein sechsmonatiges, studienbegleitendes Praktikum bei der Computec Media AG in Fürth begonnen. Genauer gesagt in der Spieleredaktion Print der Games Group, wo ich die Printredakteure der PC Games und der PC Action tatkräftig unterstützen darf. Das erste Projekt ist dann gleich mal eine umfangreiche Herausforderung gewesen, denn zusammen mit einem Praktikantenkollegen durfte ich ein Special zu Biowares Toptitel Mass Effect 3 auf die Beine stellen, das auf umfangreichen 14 Seiten umgesetzt werden sollte. Über Konzeption und Aufbau der Seiten (in Absprache mit dem verantwortlichen Layouter und den Cheffes aus der Redaktion) sowie Festlegung der Inhalte haben wir zwei Praktis dieses nicht gerade kleine Vorhaben trotz knapper Zeit (und dank eingelegter Wochenendschicht) zeitig stemmen können und präsentieren in der Extended-Ausgabe der PC Games 04/2012 einen Klassenguide mit Tipps zu den verfügbaren Begleitern sowie allgemeinen Ratschlägen, die für den Spielverlauf von Bedeutung sind. An dieser Stelle darf dann auch gleich mal ein ‚viel Spaß beim Lesen!‘ durch den Blog klingen 🙂

Die Angst vor dem leeren Stück Papier

Der ein oder andere kennt es vielleicht: Man hat eine Aufgabe zu erledigen und beschäftigt sich immer wieder mit der Herangehensweise – kommt aber nicht zum sprichwörtlichen ‚Aha-Erlebnis‘, das der eigentlichen Arbeit, der Umsetzung, jedoch vorausgehen muss. Jeder kreativ Schaffende weiß, dass die Idee die maßgebliche Kraft hinter einem Werk ist. Und dass es kaum etwas schlimmeres gibt, als ein (imaginäres) weißes Blatt Papier, das man mit Inhalten füllen soll. In meinem Fall ist diese Angst, so denn man diesen Zustand so bezeichnen kann, im Zusammenhang mit einer Studienarbeit in Animation zu nennen. Aufgabenstellung: eine Titelsequenz für einen Film erstellen, die mindestens 45 Sekunden lang ist und diverse Beteiligte wie Drehbuchautor, Regisseur etc. nennt. Dabei muss der Film nicht tatsächlich existieren und ist nicht auf ein bestimmtes Genre beschränkt. Auch die Wahl des Stils obliegt dem Studenten. Einzige Anforderung: 3D muss Bestandteil sein und Filmausschnitte dürfen nicht übermäßig genutzt werden. Bei so viel Freiheit hat es 3 lange Wochen gebraucht, in denen teilweise sogar Ideen und Konzepte ihren Weg in die Schlafphase gefunden haben, bis der Geistesblitz kam: Ein Trailer zum imaginären Film ‚The Cube Theory‘ soll gebastelt werden. Abstrakt ausgestaltet, passend zum abstrakten Titel. Genreeinordnung: keine Ahnung. Ist auch wurscht. Wenn man sich manche Titelsequenz von Filmen oder Serien anschaut, so haben diese mit dem eigentlichen Film nicht viel zu tun. Jedenfalls bin ich froh, endlich ans Werk gehen zu können, um nach und nach die offenen Studienarbeiten abarbeiten zu können. Dennoch – die Idee hätte eigentlich vor 3 Wochen schon kommen können, als die Themensuche begann. Und ist es nicht unlogisch, dass ein Thema, das völlig offen gestellt wurde, einen durch die Freiheiten beschränkt?! Wie besiegt man das leere Blatt Papier am besten?

Ein allgemeingültiges Rezept zur Beantwortung dieser Frage gibt es sicherlich nicht. Aber was in so einer Situation helfen kann, ist die Intelligenz der Menge. Indem man sich gegenseitig mit Ideen und Konzepten bewirft, schafft man ein kreatives Durcheinander, in dem sich die eine oder andere Idee findet, die umzusetzen sich lohnt. Kein Wunder, dass der Austausch so beflügelt. Schließlich wird auch das bekannte Brainstorming, das eben dadurch besticht, dass es Ideen und Konzepte zusammenhangslos und oft um die Ecke gedacht in den Raum wirft, in vielen, auch wenig kreativen Jobs Anwendung findet. Letztlich gibt es zwar nur einen Entscheider, der aus dem bunten Poutpourrie der Kreativität die richtige Idee, das richtige Konzept herausfischt und umsetzt. Aber sich ins stille Kämmerlein einzuschließen und nur in den eigenen Gedanken zu bewegen, bringt einen nicht voran. Im Gegenteil: Man kommt schnell zu dem Punkt, an dem man seine eigenen Einfälle ziemlich daneben findet. Natürlich kann man sich auch von anderen Werken inspirieren lassen. Doch der unkreative Grat zur Kopie oder Adaption ist schmal.

Parfum – ein Gefahrgut?

Das Logo von amazon.de

Neulich, genauer gesagt am 3. Advent, sollten Weihnachtsgeschenke bestellt werden. Immerhin ist es nicht mehr lange hin, bis das Christkindl für Familienzusammenkunft und Feiertagsstress sorgt. Dank des Internets und den gängigen Onlineshops kann man wenigstens die Vorweihnachtszeit entstresster angehen, von Zuhaus aus bummeln und die Weihnachtseinkäufe erledigen. Und die Wahrscheinlichkeit dabei noch das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern, liegt zudem noch relativ hoch. Günstige Weihnachtsangebote locken die Menschen vor die Computer, anstatt sie durch überfüllte Städte in Kaufhäuser, durch Menschenmengen hasten zu lassen. Kein Wunder also, dass die Onlinegeschäfte gerade im letzten Quartal des Jahres gut Umsatz machen.

Jedenfalls sollten über Amazon, dem Onlinekaufhaus meiner Wahl, Geschenke fürs Fest bestellt werden. Darunter auch das ein oder andere Parfum. Was sich als Problem herausstellen sollte. Denn: Amazon wertet Parfum als Gefahrgut. Und solches kann man sich nicht an die Packstation schicken lassen. Auf Amazon jedenfalls nicht. Da mutet es ein wenig seltsam an, dass andere Shops den Versand von Parfum an Packstationen zulassen. Und das auch noch ganz ohne Vermerk „Achtung: Gefahrgut“ auf dem Paket.

Als Kunde komme ich mir veralbert vor. Für die Packstation hatte ich mich erst vor einem Jahr registriert, um unabhängig von meiner Anwesenheit Zuhause rund um die Uhr Pakete empfangen und abholen zu können, ohne dass meine Bestellung vorher durch Nachbars Hände geht. Das klappt soweit hervorragend, auch wenn es bei Kapazitätsauslastung der Packstation zur Sendungsumleitung in den nächsten Verkaufspunkt der Post geht. Jedenfalls saß ich ziemlich verwundert da, als das Amazon-Bestellsystem bei Angabe der Packstation als Lieferadresse die Meldung ausgab, dass ein Versand der Parfums nicht möglich sei. Nach kurzer Recherche stolperte ich auch über die Gefahrgut-Klausel. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie der ausschlaggebende Punkt sein sollte – immerhin hatte ich erst letzte Woche zwei bei ebay ersteigerte Parfums problemlos an die Packstation adressiert – hakte ich flugs bei Amazon nach, wieso der Versand an die Packstation nicht möglich ist. Bei der Gelegenheit merkte ich dann gleich noch einmal an, dass die Packstation immer erste Wahl ist, da so sichergestellt wird, dass die Bestellung tatsächlich persönlich entgegengenommen wird.

Als Antwort kam vonseiten Amazon unerwarteterweise der explizite Verweis auf die Gefahrgut-Klausel nach GGSVE, der Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn. Und die Bitte, ich solle bei entsprechendem Interesse doch eine andere Lieferadresse angeben. Okay, habe ich mir gedacht, vielleicht ist es ja möglich direkt mit Amazon noch vor Absendung der Bestellung abzuklären, ob die Bestellung so auf den Weg gebracht werden kann, dass sie bei Nichtantreffen meiner Wenigkeit direkt an die nächste Post umgeleitet wird – ohne vorherigen Versuch der Nachbarschaftsabgabe. Entsprechendes habe ich angefragt. Darauf bekam ich als Antwort, ich könne meine Wohnadresse nutzen. Sollte ich nicht persönlich angetroffen werden, so wird die Sendung entweder erneut zugestellt oder als Ersatzzustellung beim Nachbarn abgeladen. Na toll, Standardverfahren der DHL. Das habe ich vorher auch bereits gewusst und war nicht meine Frage.

Etwas verärgert fasste ich den Entschluss, die Bestellung erst einmal abzuschließen und dann mit Bezug auf die abgegebene Bestellung einen erneuten Dialogversuch zu starten. Gesagt, getan. Dieses Mal formulierte ich meine Anfrage verständlicher, indem ich explizit darum bat, dass ich keine Nachbarschaftsabgabe wünsche. Hier der originale Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie bitten an den Logistikpartner weiterzutragen, dass die Sendung nur an mich persönlich ausgehändigt wird. Eine Entgegennahme durch einen Nachbarn wünsche ich NICHT, da hier im Haus bereits eine durch einen Nachbarn entgegengenommene Sendung verloren gegangen ist. Um Ihnen und mir möglichen Ärger zu ersparen, bitte ich Sie stattdessen dafür zu sorgen, dass die Sendung bei Nichtanwesenheit meiner Person direkt an die nächste Post geliefert wird. Beste Grüße, Stefan Ehring“

Zurück kam eine Antwort, die ich einmal mehr so nicht erwartet hätte. Und die meine Verärgerung exponentiell steigerte:

„Guten Tag, wenn Sie den Empfang Ihrer Sendungen auf bestimmte Personen beschränken möchten, empfehlen wir Ihnen, sich direkt an Ihren Zusteller zu wenden.

Der Zusteller wird Sie sicher gerne über die von der Post angebotenen Möglichkeiten informieren. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, sich bei DHL entweder telefonisch direkt unter 01 80 5-3 45 22 55 (0,14 EUR pro Minute aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 EUR pro Minute aus den Mobilfunknetzen) oder online (http://www.dhl.de/de/paket/privatkunden/keiner-zu-hause.html) kundig zu machen.

In vielen Fällen hilft übrigens auch ein Zettel am Briefkasten mit einem entsprechenden Hinweis.

Eventuell ist auch eine Lieferung an eine Packstation Ihrer Wahl eine Alternative für Sie. Dort können Sie Ihre Pakete rund um die Uhr und ohne Wartezeit abholen. Weitere Informationen finden Sie auf folgender Hilfeseite:

http://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=13162111

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch bei Amazon.de.“

Uff – laut Amazon ist der Kunde also derjenige, der DHL beauftragt? Wohl kaum. Offensichtlich ist es dem Unternehmen egal, WER die Lieferung entgegennimmt, selbst wenn die Möglichkeit der Unterschlagung durch den Nachbarn besteht. Unglaublich! Erst die Sache mit dem Pseudo-Gefahrengut, dann diese schlichte Abspeisung der Anfrage – und ein erneuter Verweis auf die Packstation. Aber nicht mit mir: Freund geschnappt, der ganz zufällig Speditionskaufmann und Gefahrgutbeauftragter in seiner Abteilung ist und nachgefragt, inwiefern Parfum denn Gefahrgut sein soll. Dabei stellte sich raus, dass die Statuten von Amazon zur Behandlung von Gefahrgut sich nicht nach GGSVE richten und dass handelsübliches Parfum gar kein Gefahrgut sein kann, da sonst der Transport und auch der Verkauf in Parfümerien dann nur noch unter starken Auflagen möglich wäre. Selbiges gilt für Flughäfen und Duty Free Shops, in denen Parfums sich stets gut verkaufen.

Liebe Leute von Amazon: Parfum ist kein Gefahrgut und sollte problemlos an eine Packstation zu liefern sein. Und wenn ihr tatsächlich den Ansporn habt, das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu werden, dann habt ihr noch einen weiten Weg. Mein persönliches Feedback zu der ganzen Angelegenheit fiel jedenfalls äußerst negativ aus. Aber vielleicht kauft man Parfum besser einfach woanders und lässt sie sich an die Packstation liefern…

‚Imbalanced?‘ – ‚Nö, das ist nur der Kopierschutz!‘

Mal ehrlich: Wenn man sich auf dem heutigen PC-Spielemarkt umschaut, wird man von DRM- und Kopierschutzmaßnahmen nur so belagert. Ubisoft bindet seine Titel an den hauseigenen Ubilauncher, der teilweise eine dauerhafte Internetverbindung voraussetzt. Valve hat mit Steam nicht nur die größte und derzeit wichtigste Online-Vertriebsplattform auf dem Markt, sondern liefert anderen Publishern gleichzeitig ein ausgeklügeltes Authentifizierungs- und Verifzierungssystem. In diese Höhen strebt auch EA mit der Konkurrenzplattform Origin, die durch unlautere Nutzungsbedingungen und zweifelhafte Scanvorgänge groß in den Schlagzeilen stand.

Immer neue und ausgeklügeltere Maßnahmen werden von den Spieleschaffenden erdacht, um nur denjenigen Spielspaß zu gönnen, die dafür bezahlt haben. Das ist nur gerecht, die Leute hinter den Spielen müssen nunmal auch ihre Mieten und ihr Essen bezahlen. Allerdings ist es für den ehrlichen Käufern eine Zumutung, wenn Kopierschutzmaßnahmen die Frameraten extrem drücken, wie es bei der Releaseversion von „The Witcher 2″ der Fall gewesen ist. Oder wenn nur gespielt werden kann, solange eine Onlineverbindung besteht – wie es bei einigen Titeln aus dem Hause Ubisoft der Fall ist.

Eine ganz andere Art des Kopierschutzes haben die Entwickler von Croteam in ihr jüngstes Werk, Serious Sam 3: B(attle) F(or) E(arth) einfließen lassen. Dort werden Raubkopierer damit bestraft, dass sich ein unbesiegbarer Riesenskorpion auf Speed an ihre Fersen heftet und so dem Spielspaß einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Wie jeder andere Kopierschutz, so dürfte auch dieser nur eine geringe Halbwertszeit besitzen. Dennoch zeigt die Implementierung eines unkaputtbaren Übergegners auf der Jagd nach Raupkopierern deutlich, mit welchem Witz ein Entwicklerstudio dem sehr ernsten Thema begegnen kann. Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn ich mich über Spieler lustig machen kann, die Toptitel wie“ The Elder Scrolls V: Skyrim“ nicht vernünftig spielen können, weil sie statt Waffen lediglich Blümchen finden und kaufen können. Oder wenn in „Batman: Arkham City“ der dunkle Ritter plötzlich pazifistische Züge aufweist und Auseinandersetzungen mit Arkham-Insassen meditierenderweise aus dem Weg geht. Solche Elemente würden in jedem Fall einen besseren Kaufanreiz für Raubkopierer bieten, als es derzeit mit den etablierten Maßnahmen der Fall ist. Außerdem bleiben Käufer von unliebsamen Nebenwirkungen bedingt durch Kopierschutz oder DRM so verschont. Eine Win-Win-Situation sozusagen. Und lustige PR obendrein.

Potenzial erkannt – und genutzt

WoW Werbespot - Chuck Norris

Vor einer knappen Woche sorgte ein kleiner Werbeclip zu einem großen Spiel für ordentlich Trubel. Die Spieleschmiede Blizzard hat sich für ihr Vorzeige-MMORPG World of Warcraft nach William Shatner, Mr. T, Ozzy Osborne und weiteren bekannten Gesichtern aus der Welt der Medien erneut einen Promi herangezogen, um Werbung für ihr Spiel zu machen. Dieses Mal hat es keinen geringeren getroffen, als die Action- und Roundhousekicklegende Chuck Norris. Und eigentlich ist es auch keine so große Sache, wären mit der Person Chuck Norris nicht unzählige Witze und Sprüche verbunden, die ihren Ursprung in den Weiten des Webs haben. Blizzard bzw. die von Blizzard beauftragte Agentur hinter den Clips hat das Werbepotenzial und die (zweifelhafte) Berühmtheit Chuck Norris erkannt und nutzt den einen oder anderen Gag gekonnt für eine nicht ganz ernst gemeinte From der Werbung. Die aber gerade bei der Zielgruppe ungemein gut ankommt. Kein Wunder: Nahezu jeder kann mindestens einen Chuck Norris-Gag erzählen.

Hier der originale englische Clip:

Es ist schlichtweg genial, wie man auf Grundlage der Chuck Norris Running-Gags so einen Werbeclip produziert hat. Dabei ist es im Prinzip längst überfällig gewesen, das Werbepotenzial von Chuck Norris auch zu nutzen (sein Engagement in einem Werbefilmchen des republikanischen US Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zähle ich bewusst NICHT dazu). Immerhin kann man ihn wegen der Popularität im Internet fast schon als eine Art Teil-Kunstfigur bezeichnen. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Natürlich ist es wohl nie Mr. Norris Absicht gewesen, sich selbst solch ein Image aufzubauen und dieses werbetechnisch zu nutzen. Wenn das aber in der nicht ganz ernst gemeinten Form passiert, wie eben im jüngsten WOW-Clip und einfach zu Kunstfigur und Werbekampagne passt, dann dürfte es ihn wohl nicht weiter stören. Immerhin gibt es noch ganz andere Werbeclips, die genauso mit dem Image einer Kunstfigur spielen, das aber eher schlecht als recht machen. Bestes Beispiel ist Solarworld, ein Hersteller von Solarmodulen. Dort wurde für eine Reihe von Werbeeinspielern der Schauspieler Larry Hagman verpflichtet, der eine gealterte, gereifte Version seiner früheren Rolle in der TV-Serie Dallas darstellt. Hagman verkörperte in der Serie den fiesen und rücksichtslosen Ölmagnaten J.R. Ewing. Die gealterte Version dieses Antipathie-Trägers tritt nun als konvertierter Vorreiter und Verbreiter der umweltfreundlichen Solartechnologie auf. Leider bedeutet dies einen völligen Bruch mit der Kunstfigur, die damals in den heimischen Wohnzimmern abgöttisch gehasst wurde und die ohne Frage eine Spitzenposition in der Rangliste der unsympathischsten Filmfiguren aller Zeiten einnehmen dürfte. Die Macher hinter den Solarworld-Werbeclips kehren das Werbepotenzial ihrer Kunstfigur um und lassen sie genau mit dem Gegenteil dessen werben, was eigentlich ihre Popularität ausmacht. Hätten die Macher des WOW-Clips ihren Chuck Norris in dieser Art und Weise in Szene gesetzt, dann würde der Clip jetzt entweder einen bierernsten Unterton haben oder die Kunstfigur Chuck Norris wäre die Oberlusche schlechthin – beides würde in geringerer Werbewirkung resultieren und wäre schlichtweg unlogisch.

Hier einer der Solarworld-Clips:

Natürlich muss man sagen, dass es wesentlich schwieriger ist, Werbung für Solartechnik zu machen. Wenn man dann aber schon entsprechende Budgets in die Hand nimmt, dann sollten diese doch wenigstens in eine Person/Figur fließen, die entsprechend für das Thema einsteht und nicht einen völligen Bruch bedeutet. Greenpeace würde ja auch nicht mit Robbenjägern werben, die Robbenbabys pflegen und liebkosen. Stattdessen hätte man beispielsweise Ex-Gouverneur Schwarzzenegger, der sich in seiner Amtszeit durch – für amerikanische Verhältnisse – ziemlich grüne Politik ausgezeichnet hat, als Werbepartner gewinnen sollen oder eine andere passende Person/Kunstfigur. Aber das ist nur meine Meinung.

The Witcher 2: Assassins of Kings

Kurzeinführung

Im Jahr 2007 brachte das in Polen ansässige Entwicklerstudio CD Projekt Red ihr Rollenspielerstlingswerk auf Basis der Hexer-Romane des polnischen Autoren Andrzej Sapkowski auf den Markt. Das Rollenspiel wusste mit einer vielschichtigen und erwachsenen Story, eingebettet inmitten einer kaputten, mittelalterlichen Welt bei Fachpresse und Spielern zu punkten und steigerte die Bekanntheit des Helden Geralt von Riva weit über die Grenzen Polens hinaus. Im März 2011 erschien der Nachfolger The Witcher 2: Assassins of Kings und verstrickte uns erneut in eine Geschichte rund um die Machenschaften von Monarchen und Zauberern, dem Konflikt zwischen Menschen und Anderlingen. Ob Geralts zweites Abenteuer ähnlich überzeugen kann und sich der Kauf des mittlerweile auf Version 2.0 hochgepatchten Spieles lohnt – all das soll dieses Review klären.

Worum es eigentlich geht

Temerien im Jahr 2171: Ein Monat ist vergangen, seit der Hexer Geralt von Riva den Herrscher Temeriens, König Foltest, vor einem Attentäter beschützen konnte. Auf dessen Gesicht: die untrüglichen Anzeichen einer Hexerausbildung. Der durch unser Schwert gerettete Monarch zieht daraufhin in die Schlacht, um den im ersten Witcher aufgekommenen Bürgerkrieg in seinem Reich niederzuschlagen. Nach einer kurzen Traumsequenz erwachen wir gefesselt und mit blutigem Rücken im Burgverlies der La Valettes. Doch wieso befinden wir uns überhaupt in Gefangenschaft? Und warum sollen wir hingerichtet werden? Das Spiel schickt uns infolge dieser Kerkerszene auf die Spuren unserer Gefangenschaft. Geralt wird vorgeworfen, König Foltest ermordet zu haben, den König, den er nicht nur vor dem sicheren Tod durch eine Hexerklinge bewahrte, sondern den er auch einen Freund nannte. In einem vom Chef des temerischen Geheimdienstes, Vernon Roche, geführten Verhör stehen wir Rede und Antwort zu den Geschehnissen des Tages der königlichen Ermordung. In spielbaren Flashbacks erfahren wir, dass Geralt zusammen mit dem König die Burg der La Valettes belagerte, um die unehelichen Kinder des Königs zu befreien und den Aufstand gegen die Krone zu ersticken. Nach gelungener Befreiung der Bankerte wird der König durch einen Vermummten getötet. Und Geralt ist der einzige, der den Mörder zu Gesicht bekommen hat. So stürzen wir uns als beschuldigter Königsmörder hinein in eine Geschichte um Macht und Intrigen, folgen den Spuren des wahren Täters, den Hintergründen seines blutigen Werkes und suchen nach Antworten rund um das Rätsel unserer mysteriösen Amnesie.

Mörderhatz in drei Äkten

Geralts Jagd nach den Mördern König Foltests von Temerien ist in drei Äkte sowie den Prolog unterteilt. So erzählt der Prolog die Vorgeschichte bis zu dem Punkt, an dem wir im ersten Akt zum Grenzstädtchen Flotsam im Pontartal segeln, um dort Nachforschungen über die Verbindung zwischen dem Königsmörder und der lokalen Einheit von Scoia‘tael anzustellen, einer Art elfisch-zwergischen Widerstandsbewegung gegen die Menschen. Dort können wir neben der Hauptquest, welche die Story weiter vorantreibt, zahlreiche Nebenaufgaben lösen. Darunter auch die aus dem Vorgänger bekannten Minispiele Faustkampf und Zwergenpoker. Neu hinzugekommen ist das Armdrücken, bei dem wir mit der Maus auf einem immer kleiner werdenden Balken bleiben müssen, um unseren jeweiligen Kontrahenten zu schlagen. Außerdem dürfen wir Frauenheld Geralt auch dieses Mal wieder in das ein oder andere erotische Geplänkel mit der Frauenwelt führen. Nach dem Abstecher in Flotsam geht es weiter im zweiten Akt mitten hinein in eine Geisterschlacht sowie zur Zwergenstadt Vergen. Der dritte und letzte Akt, der im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Äkten nahezu mickrig und unfertig wirkt, führt zum finalen Showdown in den Ruinen der elfischen Stadt Loc Muinne.

Allen Äkten ist gemein, dass sie nach ihrem Abschluss nicht wieder besucht werden können. Gleichermaßen trägt Geralts Tun und Handeln unmittelbare Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Haben wir uns im ersten Akt dafür entschieden, uns mit Vernon Roche bzw. den Scoia‘tael zu verbünden, können wir zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr die Seite wechseln. Dabei sind beide weder gut noch böse und bewusst undurchsichtig gestaltet. Wer also sehen möchte, was die Welt alles bietet oder welche Konsequenzen anders getroffene Entscheidungen zur Folge haben, der kommt nicht umhin, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Der Titel unterhält ca. 30 Stunden, bevor man sich entspannt zurückgelehnt eines der möglichen Enden anschauen kann. Zusätzlich dazu ist der Spielumfang mit dem Patch 2.0 vergrößert worden. Dieser liefert einen Arenamodus sowie ein optionales Tutorial, das den Spieler behutsamer in das Spiel und dessen Mechanik einführt, als der Prolog. Außerdem wird dem Spieler nach Absolvieren des Tutorials eine Schwierigkeitsstufe vorgeschlagen. Im Arenamodus treten wir als hexischer Gladiator Runde für Runde gegen immer stärkere Gegner an, die wir möglichst schnell zur Strecke bringen, um Goldboni zu erhalten. Nach jeder überstandenen Runde können wir mit dem gewonnen Gold Ausrüstung kaufen, darunter auch Bomben oder Tränke, unsere Talente verbessern oder Mitstreiter für den nächsten Kampf anheuern. Freunde kompetetiven Gameplays dürfen sich über eine Highscoreliste mit anderen Arenamodus-Recken messen.

Silberschwert und Bomben

Als Hexer hat Geralt eine Ausbildung genossen, die ihn vom Mensch zum Übermensch hat werden lassen. Von klein auf wurde er auf Kaer Morhen, dem Sitz der Hexer, gelehrt, mit dem Schwert umzugehen, die Hexerzeichen zu wirken und Bestien der alten Welt zu studieren. Zur Steigerung der Kraft oder Ausdauer kann unser Held Tränke brauen und einnehmen, die einen normalen Menschen aufgrund ihrer Toxizität umbringen würden. Schwertgifte, Bomben oder Fallen – all dies nutzt dem Hexer im Kampf gegen Mensch und Ungeheuer. Die wichtigsten Utensilien bleiben dabei aber Schwert und Hexermedaillon, das uns in Gefahrensituationen warnt und außerdem zum Markieren von Gegenständen, Kräutern, Monstern oder Orten der Macht genutzt wird. Das Schwert trägt Geralt im Laufe des Abenteuers standesgemäß in doppelter Ausführung mit sich: ein Silberschwert dient dem Kampf gegen Ungeheuer und Monster, ein Eisenschwert ist für den Kampf gegen menschliche Kontrahenten gedacht.

Die Kampfsteuerung aus dem ersten Teil, die korrektes Timing und einen für den Gegnertyp passenden Schwertstil voraussetzte, haben die Entwickler von CD Projekt durch eine neue ersetzt, bei der die unterschiedlichen Stile über Bord geworfen wurden. Dafür dürfen wir nun Angriffe blocken und bei korrektem Timing zu Kontern ansetzen sowie Messer werfen. Um im Kampf erfolgreich zu sein, sind wir insbesondere im späteren Spielverlauf darauf angewiesen, Kämpfe taktisch anzugehen. Dazu gehört die richtige Vorbereitung mit Ölen, Tränken, Bomben und Fallen. Aber auch eine Mischung aus Angreifen, Blocken und Ausweichen. Dabei ist das Spiel nicht immer fair: Insbesondere der erste Kampf gegen den wahren Königsmörder ist aufgrund des engen Terrains und Geralts zu Beginn noch eingeschränkten Fertigkeiten zu schwer geraten. Derlei Balancepatzer bleiben aber die Ausnahme in den insgesamt spannend-fordernden und wuchtig in Szene gesetzten  Kämpfen. So ähnelt die Beseitigung eines Kayrans in Sachen Inszenierung stark an die spektakulären Bosskämpfe aus Resident Evil 5, bei denen man die Schwachstellen der einzelnen Bosse erst einmal finden und angehen musste, um ernsthaften Schaden zu wirken.

Rollenspieltypisch sammeln wir im Kampf Erfahrungspunkte, steigen im Level auf und schalten Talentpunkte frei. Diese wiederum investieren wir in die Hexer-Talentbäume, die sogenannten Schemata, Training, Schwertkampf, Alchemie und Magie. Das Spiel gibt dabei vor, dass die ersten sechs Punkte zur Freischaltung von Fertigkeiten im Trainingsschema genutzt werden müssen. Erst danach dürfen wir die Punkte frei verteilen und Geralt nach unserem Gusto weiterentwickeln. Wollen wir die Dauer von Tränken oder die Schadenswirkung von Bomben erhöhen, so sollten wir vermehrt Punkte in Alchemie investieren. Schwertkampfpuristen verringern den erhaltenen Schaden bei Angriffen von hinten oder schalten die Möglichkeit zum Kontern im Schema Schwertkampf frei. Freunde der Magie legen ihren Fokus auf das gleichnamige Schema und verstärken so die Wirkung der Hexerzeichen und steigern ihre Magieresistenzen. Außerdem dürfen wir bestimmte Fertigkeiten mutieren lassen, indem wir kleine, mittlere oder große Mutagene verwenden, um so unsere Vitalität oder den ausgeteilten Schwertschaden zu erhöhen. Tränke, Fallen und Bomben stellen wir nicht nur selber her, falls wir das entsprechende Rezept und die dafür benötigten Zutaten im Gepäck haben, sondern können diese auch bei entsprechenden Händlern erwerben. Bei den Schmieden erstehen wir so neue Rüstungen oder Schwerter. Wir können unsere alte Ausrüstung aber auch durch entsprechende Aufwertungen verbessern, die wir im Inventar anwenden.

Wir sehen ROT

Basierte das Vorgängerspiel noch auf einer eigens gemoddeten und weiterentwickelten Aurora-Engine, die im Original unter anderem in Neverwinter Nights Verwendung fand, so hat CD Projekt Red mit der RED Engine den Programmunterbau komplett selbst gestaltet. Und dieser kann sich wirklich sehen lassen: Scharfe Texturen, hübsche Lichtstimmungen und Effekte, geschmeidige Animationen – das zweite Hexerabenteuer ist eine Augenweide. Ob wir nun durch die Wildnis um Flotsam umherstreifen und in einer ehemaligen, verfallenen Nervenheilanstalt Geisterjäger spielen oder die alten elfischen Ruinen von Loc Muinne erkunden: The Witcher 2: Assassins of Kings bleibt stets authentisch und lebendig. Dazu tragen auch die hervorragenden Sprecher und der wuchtige Soundtrack ihren Teil bei. Obwohl es „nur“ mit DirectX9 API daherkommt, vermag das zweite Hexerabenteuer eine grafische Qualität und Atmosphäre auf den Bildschirm zu zaubern, die es zum derzeit schönsten Rollenspiel auf dem Markt machen. Als storylastiger Gegenentwurf zu open world-Titeln wie The Elder Scrolls V: Skyrim kann es allerdings nicht immer Level- und Weltbegrenzungen kaschieren. Derartige Abstriche in der Atmosphäre bleiben aber die Ausnahme in einem technisch rundum gelungenen Rollenspielabenteuer.

Fazit

Nachdem die erste Versoftung des Hexers schon außerordentlich gut ankam, sind die Erwartungen an den Nachfolger natürlich umso größer geraten. Und trotz des etwas enttäuschenden Finales kann man von The Witcher 2: Assassins of Kings guten Gewissens behaupten, dass es ein heißer Kandidat für den Titel „Spiel des Jahres“ sein dürfte. Gerade Freunde gut erzählter Geschichten dürften ihre helle Freude daran haben, den Hexer auf die Jagd nach dem Königsmörder zu schicken und dabei Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen unmittelbar in Erscheinung treten und den Storyverlauf maßgeblich beeinflussen. CD Projekt serviert den Spielern erneut eine Welt, die sich selbst nicht schönt und die vom blutig ausgetragenen Konflikt zwischen Anderlingen und Menschen beherrscht wird. Außerdem bleibt anzumerken, dass der Entwickler entgegen manchem DLC-Wahn auch große Content-Updates für lau anbietet und den PC als Leadplattform sieht. Besitzer einer XBOX 360 dürfen sich schon einmal auf den März 2012 freuen, dann nämlich soll der Hexer sein Debüt auf der Konsole feiern.