Die Gewalten der Natur

Was gestern über Rhein und Ruhr fegte, das war laut den Worten meines Großvaters, der mit 88 Jahren schon manches Unwetter erlebt hat, das schlimmste, an das er sich erinnern könne. Faszinierend jedoch war die Entstehung des Gewitters, die man in Essen Frohnhausen gegen 21:00 Uhr am Himmel beobachten konnte und von der ich auch gerne Bilder gemacht hätte, qualitativ aber nichts adäquates herausbekommen habe, nur mit einem Smartphone bewaffnet. Als das Unwetter dann so richtig loslegte, regnete es so stark gegen die geschlossenen Fenster, dass Wasser in die Wohnung drang. Und in die Kellerabteile, aus denen ich  jeweils ca. einen viertelvollen Eimer Wasser herausholen konnte. Unser Auto wurde haarscharf von einem großen Ast verfehlt. Und auch die Äste/Bäume hinterm Haus, die es infolge der Windgeschwindigkeiten erlegt hatte, fielen am Gebäude vorbei zu Boden.

Heute Morgen wurden dann die gröbsten Sturmschäden in der Nachbarschaft behoben, Äste von der Straße auf die Wiese gezogen, umgefallene Bäume zerkleinert und die Abflüsse von Laubwerk und Dreck befreit, damit der nächste Regenguss nicht sofort zu einer aufgestauten Wassermasse führt. Ein paar Impressionen vom Unwetterchaos aus der näheren Umgebung habe ich dann bei Tageslicht eingefangen:

Systemumstellung der Packstation oder: Ärger mit der Post

Die Post bzw. DHL und ich als Privatkunde: Bislang habe ich mit dem deutschen Transportunternehmen keinerlei Erfahrungen gemacht, aufgrund derer ich etwas Negatives sagen könnte. Klar: wenn Briefe bzw. die Post mal nicht ankommt, weil darin Geburtstags- oder Glückwunschkartenenthalten sind, dann ist das nicht nur ärgerlich, sondern vielmehr ein Unding. Auf der anderen Seite: Wer schickt heutzutage überhaupt noch Karten und steckt dann auch noch etwas Wertvolles mit hinein? Die Verwandtschaft ist jedenfalls entsprechend instruiert worden: Keine Geld- oder Gutscheingeschenke per Post, wenn überhaupt, dann als Einschreiben oder als Päckchen bzw. Paket. Das kommt noch sicher an und wird nicht von diebischen Mitarbeitern aussortiert.

Meine persönliche Frustschwelle allerdings ist am gestrigen Abend ausgereizt worden, als ich eine Sendung an der Packstation abholen wollte. Aber eines nach dem anderen. Der Service, sich Sendungen an diese Packstation genannten Selbstbedienungsterminals zu senden, ist wirklich ein Segen. Gerade wenn man seine Sachen nicht erst beim Nachbarn abholen möchte oder sich nach vergeblich versuchter Zustellung an die Öffnungszeiten der nächsten Poststation richten muss. Allerdings bringt dieser Vorteil nichts, wenn die Sendung gar nicht erst zugestellt wird. So geschehen mit gleich zwei unterschiedlichen Sendungen, die beide Ende Oktober versendet wurden. Erst auf Rückfrage beim Sender hat sich dann herausgestellt, dass beide Sendungen wohl unterwegs verloren gegangen sind. Nie zuvor vorgekommen und dann direkt ein gleichzeitiges Verschwinden zweier Sendungen. Wenigstens haben die Sender gut reagiert und trotz Stellen von Nachforschungsanträgen Ersatzsendungen verschickt. Davon kam eine just am gestrigen Freitag an der Packstation an.

Bildautor: Klaus Mueller
A Packstation in Munich in the winter; Bildautor: Klaus Mueller

Nun hat sich das Sicherheitsverfahren an den Packstationen mit Wirkung zum 29. Oktober 2012 geändert. Die bislang gültige PIN wurde durch das mTAN-Verfahren ausgetauscht – ohne dass man den Kunden die Wahl gelassen hat. Ich für meinen Teil möchte meine Mobil- oder Telefonnummer ungern an Unternehmen herausgeben. Und gerade die erhöhte Sicherheit, die sich die Post vom mTAN-Verfahren verspricht, ist ein Witz. Wie viele Leute machen sich mit ihren Smartphones keine Gedanken über Sicherheit, nutzen freie WLANs oder haben nicht einmal einen Virenscanner auf dem Handy installiert? Vom überwiegenden Teil der Smartphone-Nutzer zu sprechen, dürfte keine Übertreibung sein. Dennoch erfolgte die Zwangsumstellung. Nun aber zurück zur Sendung: Diese wollte ich am gestrigen Abend abholen und wurde im Dialog auf dem Bildschirm wider Erwarten nach meiner PIN gefragt – obwohl das System umgestellt sein sollte. Diese habe ich dann gemäß der Aufforderung eingegeben, dreimal in Folge. Dann wurde die Karte gesperrt, ohne dass zuvor ein Hinweis kam, die PIN sei falsch oder nur noch ein Versuch bleibe vor Sperrung der Karte. Als die Zugangskarte dann entfernt und wieder in den Leseschlitz gesteckt wurde, poppte dann die erwartete Abfrage nach der mTAN auf. Da die Karte allerdings gesperrt war, konnte ich die Sendung nicht abholen. Stattdessen habe ich mich ziemlich wütend auf den Heimweg gemacht und der Post die folgende E-Mail gesendet:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem die letzten zwei an mich adressierten Sendungen nach einer Woche nicht bei mir angekommen sind und Nachforschungsanträge gestellt werden mussten, habe ich mich heute mit der Packstation und der Umstellung auf die mobile Tan herumärgern müssen. Bei Abholung des Pakets bin ich im Dialog auf dem Bildschirm aufgefordert worden, meine PIN einzugeben. Dies habe ich dreimal in Folge probiert, dann wurde die Karte gesperrt. Als ich die Karte dann aus dem Kartenschlitz genommen und erneut eingeführt habe, bin ich nach der mTAN gefragt worden. Da die Karte aber bereits vom System gesperrt war, habe ich meine Sendung nicht abholen können. Ich bitte Sie deshalb um Reaktivierung meiner Karte. Außerdem rate ich Ihnen, die Systeme – sollte es noch einmal zu einer ähnlichen Sicherheitsumstellung kommen – ausgiebig zu testen.

Gruß,

Stefan Ehring“

Auf diese E-Mail gibt es bis zu diesem Zeitpunkt keine Antwort. Allerdings hat sich das Problem bereits gelöst, da das Twitter-Team der Post @DHLPaket ziemlich gute Arbeit leistet. Ein entsprechender Tweet inklusive Verlinkung zu diesem Blogeintrag brachte einen Antworttweet, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ich eine Mail mit meinen Kontaktdaten an twitter@dhl.com schicken möge. Gesagt getan. Dann noch eine neue mTAN bekommen und heute Morgen hat es keinerlei Probleme beim Abholen der Sendung an der Packstation gegeben. So hätte es eigentlich von Anfang an laufen sollen. Jetzt frage ich mich nur, ob ich zumindest noch eine entschuldigende Antwort auf meine E-Mail vom 09.11.2012 bekomme…

Die Empörung und Unzufriedenheit der DHL-Kunden mit bevorzugter Packstation-Zustellung hat das Thema chaotische Systemumstellung in die regulären Medien gespült. Unter dem nachfolgenden Link geht es zum Artikel der Onlineausgabe vom Stern Servicedesaster bei DHL: Chaos an der Packstation

Im Kommentarbereich dürfen übrigens eigene Erfahrungen zur Systemumstellung oder zur Post/DHL allgemein gepostet werden!

Update: Heute erreichte mich von DHL eine Entschuldigungsmail inklusive Gutschein in Höhe von 10 € für meinpaket.de. Eine nette Geste, auch wenn man das Durcheinander und den Ärger auf Kundenseite im Vornherein hätte vermeiden können.

„Sehr geehrter Herr Ehring,

durch die Umstellung von PACKSTATION auf das mTAN-Prinzip kam es in den letzten Tagen zu erhöhten Kundenanfragen in unserem Service Center und damit auch für Sie zu Wartezeiten am Telefon.

Wir möchten uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und Ihnen als Wiedergutmachung eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Hiermit senden wir Ihnen einen Einkaufsgutschein in Höhe von 10 Euro* für MeinPaket.de. Suchen Sie sich in einem der Shops etwas Schönes aus und geben den Gutscheincode einfach am Ende des Bestellprozesses ein.
Ihr Code lautet: XXXXXXXXXXXX

Sollten Sie noch Fragen zu mTAN haben, dann finden Sie weitere Informationen hier.

Freundliche Grüße
Ihr DHL Team“

Statusupdate im März

Huch – da habe ich just feststellen müssen, dass der letzte Blogeintrag tatsächlich bereits eineinhalb Monate und damit in den eisigen Wochen des Januars zurückliegt. Zeit also, das zu ändern. Dieses Mal mit einem eher tagebuchähnlichen Beitrag, der angesichts der Neuerungen im Monat März zustande gekommen ist.

Am 01. März nämlich hat mein sechsmonatiges, studienbegleitendes Praktikum bei der Computec Media AG in Fürth begonnen. Genauer gesagt in der Spieleredaktion Print der Games Group, wo ich die Printredakteure der PC Games und der PC Action tatkräftig unterstützen darf. Das erste Projekt ist dann gleich mal eine umfangreiche Herausforderung gewesen, denn zusammen mit einem Praktikantenkollegen durfte ich ein Special zu Biowares Toptitel Mass Effect 3 auf die Beine stellen, das auf umfangreichen 14 Seiten umgesetzt werden sollte. Über Konzeption und Aufbau der Seiten (in Absprache mit dem verantwortlichen Layouter und den Cheffes aus der Redaktion) sowie Festlegung der Inhalte haben wir zwei Praktis dieses nicht gerade kleine Vorhaben trotz knapper Zeit (und dank eingelegter Wochenendschicht) zeitig stemmen können und präsentieren in der Extended-Ausgabe der PC Games 04/2012 einen Klassenguide mit Tipps zu den verfügbaren Begleitern sowie allgemeinen Ratschlägen, die für den Spielverlauf von Bedeutung sind. An dieser Stelle darf dann auch gleich mal ein ‚viel Spaß beim Lesen!‘ durch den Blog klingen 🙂

Die Angst vor dem leeren Stück Papier

Der ein oder andere kennt es vielleicht: Man hat eine Aufgabe zu erledigen und beschäftigt sich immer wieder mit der Herangehensweise – kommt aber nicht zum sprichwörtlichen ‚Aha-Erlebnis‘, das der eigentlichen Arbeit, der Umsetzung, jedoch vorausgehen muss. Jeder kreativ Schaffende weiß, dass die Idee die maßgebliche Kraft hinter einem Werk ist. Und dass es kaum etwas schlimmeres gibt, als ein (imaginäres) weißes Blatt Papier, das man mit Inhalten füllen soll. In meinem Fall ist diese Angst, so denn man diesen Zustand so bezeichnen kann, im Zusammenhang mit einer Studienarbeit in Animation zu nennen. Aufgabenstellung: eine Titelsequenz für einen Film erstellen, die mindestens 45 Sekunden lang ist und diverse Beteiligte wie Drehbuchautor, Regisseur etc. nennt. Dabei muss der Film nicht tatsächlich existieren und ist nicht auf ein bestimmtes Genre beschränkt. Auch die Wahl des Stils obliegt dem Studenten. Einzige Anforderung: 3D muss Bestandteil sein und Filmausschnitte dürfen nicht übermäßig genutzt werden. Bei so viel Freiheit hat es 3 lange Wochen gebraucht, in denen teilweise sogar Ideen und Konzepte ihren Weg in die Schlafphase gefunden haben, bis der Geistesblitz kam: Ein Trailer zum imaginären Film ‚The Cube Theory‘ soll gebastelt werden. Abstrakt ausgestaltet, passend zum abstrakten Titel. Genreeinordnung: keine Ahnung. Ist auch wurscht. Wenn man sich manche Titelsequenz von Filmen oder Serien anschaut, so haben diese mit dem eigentlichen Film nicht viel zu tun. Jedenfalls bin ich froh, endlich ans Werk gehen zu können, um nach und nach die offenen Studienarbeiten abarbeiten zu können. Dennoch – die Idee hätte eigentlich vor 3 Wochen schon kommen können, als die Themensuche begann. Und ist es nicht unlogisch, dass ein Thema, das völlig offen gestellt wurde, einen durch die Freiheiten beschränkt?! Wie besiegt man das leere Blatt Papier am besten?

Ein allgemeingültiges Rezept zur Beantwortung dieser Frage gibt es sicherlich nicht. Aber was in so einer Situation helfen kann, ist die Intelligenz der Menge. Indem man sich gegenseitig mit Ideen und Konzepten bewirft, schafft man ein kreatives Durcheinander, in dem sich die eine oder andere Idee findet, die umzusetzen sich lohnt. Kein Wunder, dass der Austausch so beflügelt. Schließlich wird auch das bekannte Brainstorming, das eben dadurch besticht, dass es Ideen und Konzepte zusammenhangslos und oft um die Ecke gedacht in den Raum wirft, in vielen, auch wenig kreativen Jobs Anwendung findet. Letztlich gibt es zwar nur einen Entscheider, der aus dem bunten Poutpourrie der Kreativität die richtige Idee, das richtige Konzept herausfischt und umsetzt. Aber sich ins stille Kämmerlein einzuschließen und nur in den eigenen Gedanken zu bewegen, bringt einen nicht voran. Im Gegenteil: Man kommt schnell zu dem Punkt, an dem man seine eigenen Einfälle ziemlich daneben findet. Natürlich kann man sich auch von anderen Werken inspirieren lassen. Doch der unkreative Grat zur Kopie oder Adaption ist schmal.

Parfum – ein Gefahrgut?

Das Logo von amazon.de

Neulich, genauer gesagt am 3. Advent, sollten Weihnachtsgeschenke bestellt werden. Immerhin ist es nicht mehr lange hin, bis das Christkindl für Familienzusammenkunft und Feiertagsstress sorgt. Dank des Internets und den gängigen Onlineshops kann man wenigstens die Vorweihnachtszeit entstresster angehen, von Zuhaus aus bummeln und die Weihnachtseinkäufe erledigen. Und die Wahrscheinlichkeit dabei noch das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern, liegt zudem noch relativ hoch. Günstige Weihnachtsangebote locken die Menschen vor die Computer, anstatt sie durch überfüllte Städte in Kaufhäuser, durch Menschenmengen hasten zu lassen. Kein Wunder also, dass die Onlinegeschäfte gerade im letzten Quartal des Jahres gut Umsatz machen.

Jedenfalls sollten über Amazon, dem Onlinekaufhaus meiner Wahl, Geschenke fürs Fest bestellt werden. Darunter auch das ein oder andere Parfum. Was sich als Problem herausstellen sollte. Denn: Amazon wertet Parfum als Gefahrgut. Und solches kann man sich nicht an die Packstation schicken lassen. Auf Amazon jedenfalls nicht. Da mutet es ein wenig seltsam an, dass andere Shops den Versand von Parfum an Packstationen zulassen. Und das auch noch ganz ohne Vermerk „Achtung: Gefahrgut“ auf dem Paket.

Als Kunde komme ich mir veralbert vor. Für die Packstation hatte ich mich erst vor einem Jahr registriert, um unabhängig von meiner Anwesenheit Zuhause rund um die Uhr Pakete empfangen und abholen zu können, ohne dass meine Bestellung vorher durch Nachbars Hände geht. Das klappt soweit hervorragend, auch wenn es bei Kapazitätsauslastung der Packstation zur Sendungsumleitung in den nächsten Verkaufspunkt der Post geht. Jedenfalls saß ich ziemlich verwundert da, als das Amazon-Bestellsystem bei Angabe der Packstation als Lieferadresse die Meldung ausgab, dass ein Versand der Parfums nicht möglich sei. Nach kurzer Recherche stolperte ich auch über die Gefahrgut-Klausel. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie der ausschlaggebende Punkt sein sollte – immerhin hatte ich erst letzte Woche zwei bei ebay ersteigerte Parfums problemlos an die Packstation adressiert – hakte ich flugs bei Amazon nach, wieso der Versand an die Packstation nicht möglich ist. Bei der Gelegenheit merkte ich dann gleich noch einmal an, dass die Packstation immer erste Wahl ist, da so sichergestellt wird, dass die Bestellung tatsächlich persönlich entgegengenommen wird.

Als Antwort kam vonseiten Amazon unerwarteterweise der explizite Verweis auf die Gefahrgut-Klausel nach GGSVE, der Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn. Und die Bitte, ich solle bei entsprechendem Interesse doch eine andere Lieferadresse angeben. Okay, habe ich mir gedacht, vielleicht ist es ja möglich direkt mit Amazon noch vor Absendung der Bestellung abzuklären, ob die Bestellung so auf den Weg gebracht werden kann, dass sie bei Nichtantreffen meiner Wenigkeit direkt an die nächste Post umgeleitet wird – ohne vorherigen Versuch der Nachbarschaftsabgabe. Entsprechendes habe ich angefragt. Darauf bekam ich als Antwort, ich könne meine Wohnadresse nutzen. Sollte ich nicht persönlich angetroffen werden, so wird die Sendung entweder erneut zugestellt oder als Ersatzzustellung beim Nachbarn abgeladen. Na toll, Standardverfahren der DHL. Das habe ich vorher auch bereits gewusst und war nicht meine Frage.

Etwas verärgert fasste ich den Entschluss, die Bestellung erst einmal abzuschließen und dann mit Bezug auf die abgegebene Bestellung einen erneuten Dialogversuch zu starten. Gesagt, getan. Dieses Mal formulierte ich meine Anfrage verständlicher, indem ich explizit darum bat, dass ich keine Nachbarschaftsabgabe wünsche. Hier der originale Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie bitten an den Logistikpartner weiterzutragen, dass die Sendung nur an mich persönlich ausgehändigt wird. Eine Entgegennahme durch einen Nachbarn wünsche ich NICHT, da hier im Haus bereits eine durch einen Nachbarn entgegengenommene Sendung verloren gegangen ist. Um Ihnen und mir möglichen Ärger zu ersparen, bitte ich Sie stattdessen dafür zu sorgen, dass die Sendung bei Nichtanwesenheit meiner Person direkt an die nächste Post geliefert wird. Beste Grüße, Stefan Ehring“

Zurück kam eine Antwort, die ich einmal mehr so nicht erwartet hätte. Und die meine Verärgerung exponentiell steigerte:

„Guten Tag, wenn Sie den Empfang Ihrer Sendungen auf bestimmte Personen beschränken möchten, empfehlen wir Ihnen, sich direkt an Ihren Zusteller zu wenden.

Der Zusteller wird Sie sicher gerne über die von der Post angebotenen Möglichkeiten informieren. Alternativ haben Sie die Möglichkeit, sich bei DHL entweder telefonisch direkt unter 01 80 5-3 45 22 55 (0,14 EUR pro Minute aus dem deutschen Festnetz; maximal 0,42 EUR pro Minute aus den Mobilfunknetzen) oder online (http://www.dhl.de/de/paket/privatkunden/keiner-zu-hause.html) kundig zu machen.

In vielen Fällen hilft übrigens auch ein Zettel am Briefkasten mit einem entsprechenden Hinweis.

Eventuell ist auch eine Lieferung an eine Packstation Ihrer Wahl eine Alternative für Sie. Dort können Sie Ihre Pakete rund um die Uhr und ohne Wartezeit abholen. Weitere Informationen finden Sie auf folgender Hilfeseite:

http://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=13162111

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch bei Amazon.de.“

Uff – laut Amazon ist der Kunde also derjenige, der DHL beauftragt? Wohl kaum. Offensichtlich ist es dem Unternehmen egal, WER die Lieferung entgegennimmt, selbst wenn die Möglichkeit der Unterschlagung durch den Nachbarn besteht. Unglaublich! Erst die Sache mit dem Pseudo-Gefahrengut, dann diese schlichte Abspeisung der Anfrage – und ein erneuter Verweis auf die Packstation. Aber nicht mit mir: Freund geschnappt, der ganz zufällig Speditionskaufmann und Gefahrgutbeauftragter in seiner Abteilung ist und nachgefragt, inwiefern Parfum denn Gefahrgut sein soll. Dabei stellte sich raus, dass die Statuten von Amazon zur Behandlung von Gefahrgut sich nicht nach GGSVE richten und dass handelsübliches Parfum gar kein Gefahrgut sein kann, da sonst der Transport und auch der Verkauf in Parfümerien dann nur noch unter starken Auflagen möglich wäre. Selbiges gilt für Flughäfen und Duty Free Shops, in denen Parfums sich stets gut verkaufen.

Liebe Leute von Amazon: Parfum ist kein Gefahrgut und sollte problemlos an eine Packstation zu liefern sein. Und wenn ihr tatsächlich den Ansporn habt, das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu werden, dann habt ihr noch einen weiten Weg. Mein persönliches Feedback zu der ganzen Angelegenheit fiel jedenfalls äußerst negativ aus. Aber vielleicht kauft man Parfum besser einfach woanders und lässt sie sich an die Packstation liefern…

Potenzial erkannt – und genutzt

WoW Werbespot - Chuck Norris

Vor einer knappen Woche sorgte ein kleiner Werbeclip zu einem großen Spiel für ordentlich Trubel. Die Spieleschmiede Blizzard hat sich für ihr Vorzeige-MMORPG World of Warcraft nach William Shatner, Mr. T, Ozzy Osborne und weiteren bekannten Gesichtern aus der Welt der Medien erneut einen Promi herangezogen, um Werbung für ihr Spiel zu machen. Dieses Mal hat es keinen geringeren getroffen, als die Action- und Roundhousekicklegende Chuck Norris. Und eigentlich ist es auch keine so große Sache, wären mit der Person Chuck Norris nicht unzählige Witze und Sprüche verbunden, die ihren Ursprung in den Weiten des Webs haben. Blizzard bzw. die von Blizzard beauftragte Agentur hinter den Clips hat das Werbepotenzial und die (zweifelhafte) Berühmtheit Chuck Norris erkannt und nutzt den einen oder anderen Gag gekonnt für eine nicht ganz ernst gemeinte From der Werbung. Die aber gerade bei der Zielgruppe ungemein gut ankommt. Kein Wunder: Nahezu jeder kann mindestens einen Chuck Norris-Gag erzählen.

Hier der originale englische Clip:

Es ist schlichtweg genial, wie man auf Grundlage der Chuck Norris Running-Gags so einen Werbeclip produziert hat. Dabei ist es im Prinzip längst überfällig gewesen, das Werbepotenzial von Chuck Norris auch zu nutzen (sein Engagement in einem Werbefilmchen des republikanischen US Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zähle ich bewusst NICHT dazu). Immerhin kann man ihn wegen der Popularität im Internet fast schon als eine Art Teil-Kunstfigur bezeichnen. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Natürlich ist es wohl nie Mr. Norris Absicht gewesen, sich selbst solch ein Image aufzubauen und dieses werbetechnisch zu nutzen. Wenn das aber in der nicht ganz ernst gemeinten Form passiert, wie eben im jüngsten WOW-Clip und einfach zu Kunstfigur und Werbekampagne passt, dann dürfte es ihn wohl nicht weiter stören. Immerhin gibt es noch ganz andere Werbeclips, die genauso mit dem Image einer Kunstfigur spielen, das aber eher schlecht als recht machen. Bestes Beispiel ist Solarworld, ein Hersteller von Solarmodulen. Dort wurde für eine Reihe von Werbeeinspielern der Schauspieler Larry Hagman verpflichtet, der eine gealterte, gereifte Version seiner früheren Rolle in der TV-Serie Dallas darstellt. Hagman verkörperte in der Serie den fiesen und rücksichtslosen Ölmagnaten J.R. Ewing. Die gealterte Version dieses Antipathie-Trägers tritt nun als konvertierter Vorreiter und Verbreiter der umweltfreundlichen Solartechnologie auf. Leider bedeutet dies einen völligen Bruch mit der Kunstfigur, die damals in den heimischen Wohnzimmern abgöttisch gehasst wurde und die ohne Frage eine Spitzenposition in der Rangliste der unsympathischsten Filmfiguren aller Zeiten einnehmen dürfte. Die Macher hinter den Solarworld-Werbeclips kehren das Werbepotenzial ihrer Kunstfigur um und lassen sie genau mit dem Gegenteil dessen werben, was eigentlich ihre Popularität ausmacht. Hätten die Macher des WOW-Clips ihren Chuck Norris in dieser Art und Weise in Szene gesetzt, dann würde der Clip jetzt entweder einen bierernsten Unterton haben oder die Kunstfigur Chuck Norris wäre die Oberlusche schlechthin – beides würde in geringerer Werbewirkung resultieren und wäre schlichtweg unlogisch.

Hier einer der Solarworld-Clips:

Natürlich muss man sagen, dass es wesentlich schwieriger ist, Werbung für Solartechnik zu machen. Wenn man dann aber schon entsprechende Budgets in die Hand nimmt, dann sollten diese doch wenigstens in eine Person/Figur fließen, die entsprechend für das Thema einsteht und nicht einen völligen Bruch bedeutet. Greenpeace würde ja auch nicht mit Robbenjägern werben, die Robbenbabys pflegen und liebkosen. Stattdessen hätte man beispielsweise Ex-Gouverneur Schwarzzenegger, der sich in seiner Amtszeit durch – für amerikanische Verhältnisse – ziemlich grüne Politik ausgezeichnet hat, als Werbepartner gewinnen sollen oder eine andere passende Person/Kunstfigur. Aber das ist nur meine Meinung.

Briefgeschäft, oh Briefgeschäft

Lange schon hat die Deutsche Post mit ihrer Sparte Brief ein Problem: In Zeiten des Internets, von Web 2.0 benötigt der Privatkunde nur selten die Dienstleistungen des Briefversands. Eine E-Mail ist schnell getippt und quasi sofort beim Adressaten – ganz ohne Briefmarke und Postboten. Und wenn eine elektronische Mail mal nicht bei ihrem Empfänger ankommen sollte, dann weist uns der Mail Daemon darauf hin und wir können im Ausschlussverfahren feststellen, ob wir in der Empfängeradresse einen Tippfehler eingebaut oder eine gänzlich falsche Mailadresse eingegeben haben. Jedenfalls ist der elektronische Mailverkehr sicher. Wenn man die Bestrebungen nach Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner und Co einmal außer Acht lässt.

Der analoge Brief punktet nicht nur in Sachen Attraktivität nicht mehr, auch die Sicherheit kann der des digitalen Pendants nicht das Wasser reichen. Nicht mehr. In Zeiten, in denen die Post noch nicht in Konkurrenz zum Internet treten musste, lautete die oberste Maxime beim Abfertigen der Postsendungen „die Wahrung des Briefgeheimnisses“. Leider scheint dies heute so genau und ernst nicht mehr genommen zu werden. Anders kann ich mir nicht erklären, dass binnen eines Jahres insgesamt drei Postsendungen ihre Adressaten nicht erreicht haben.

Postsendung eins enthielt eine für mich bestimmte Geburtstagskarte inklusive Geldgeschenk – die jedoch niemals ankam. Nun ist bekannt, dass die Post selbst und hochoffiziell davon abrät, Geld per Briefumschlag zu verschicken. So weit, so gut. Nur ist das keine Entschuldigung dafür, dass regelmäßig Briefsendungen verschwinden, die eine Geburtstags- oder Glückwunschkarte enthalten könnten. Denn Postsendung zwei enthielt ebenfalls eine Geburtstagskarte – diesmal jedoch ohne beigefügtes Geld. Trotzdem erreichte auch diese Sendung niemals ihren Bestimmungsort in den heimischen vier Wänden. Und wenn die Absender mich nicht nach den Karten gefragt hätten – ich wüsste selbst heute noch nicht, dass für mich bestimmte Post Verschütt gegangen ist.

Postsendung drei ist gerade frisch verschwunden und dürfte im Grunde genommen nur dadurch interessant gewesen sein, dass sie an meine Mutter adressiert war. Enthalten hat sie nämlich ein Dokument, eine Bestätigung meines geleisteten Zivildienstes für studienrelevante Angelegenheiten. Dumm nur, dass dieses Dokument nicht einfach aus Jux und Dollerei verschickt wurde, sondern sehr wohl wichtig ist. Wenn man dann eine Woche nach Einwurf des Briefes in den Briefkasten erfährt, dass dieser immer noch nicht den Bestimmungsort innerhalb der BRD erreicht hat, dann ist klar: Da ist mal wieder Post mit potenziellem Geldwert aussortiert worden. Und das kann beim besten Willen nicht sein! Denn solche Vorfälle dürften wohl kaum zur Erholung des Briefgeschäfts der Post beitragen, im Gegenteil: Es bedeutet nur mehr schlechte Presse und sorgt für negative Meinungsbilder. Letztlich ist eine Post, die die korrekte und gesicherte Zustellung der von ihr entgegengenommen Sendungen nicht mehr garantieren kann schlichtweg überflüssig. Nur: Wer soll dann Omas Glückwunschkarte zum Geburtstag an den Enkel zustellen? Deswegen, liebes Briefgeschäft der Deutschen Post, appelliere ich hier an dich: Deine alten Werte wie Zuverlässigkeit oder die Wahrung des Briefgeheimnisses müssen wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Sonst verspielst du selbst deine Daseinsberechtigung.

Der ultimative Superlativ

Kennen Sie den ultimativen Superlativ? Ganz bestimmt kennen Sie ihn. Die Medien greifen nämlich immer wieder gerne darauf zurück, um zu zeigen, wie gut ein Produkt, eine Leistung etc. ist. „Der/die/das beste … aller Zeiten!“ – ein Werbespruch, der den Marketingverantwortlichen hinunter gehen dürfte, wie Öl. Nur leider ist er gar nicht so kostbar, wie der stets rarer werdende, fossile Brennstoff. Während dessen Reserven nämlich stetig weiter abgebaut werden, erschließen fuchsige (aber einfallslose) Werber und Marketingleute den Produkt-Superlativ ohne jede Scham stets aufs neue.

Nun weiß ich nicht, wie es Ihnen dabei geht oder ob Sie sich des inflationären Gebrauchs dieses Superlativs überhaupt bewusst sind. Mich als Medienkonsument nervt es einfach nur tierisch. Denn „das beste Handy aller Zeiten“ ist eben nicht das beste Handy aller Zeiten, allerhöchstens das zurzeit beste Handy auf dem Markt. Das de facto aber auch schon veraltet ist, denn die Firmen entwickeln und forschen natürlich weiter, um ihre Entwicklungen noch stromsparender, effektiver, kleiner etc. zu machen. Ein Entwicklungsstillstand wäre weniger der Tatsache geschuldet, dass man tatsächlich nicht mehr weiterentwickeln kann, als vielmehr der, dass das Kapital aus ist oder man noch nicht über zwingend benötigte Strukturen in Fertigung o.ä. verfügt, um die Effektivität zu steigern. Ich denke davon sind wir aber weit entfernt.

Der ultimative Superlativ ist schlichtweg eine sinnfreie Bezeichnung für ein Gerät, eine Technologie (…),der/die/das über Spezifikationen und Eigenschaften verfügt, die so zwar noch nicht auf dem Markt waren, morgen aber schon wieder veraltet sind. Deswegen meine Bitte an die Werber, Journalisten und das schreibende Volk: Bitte lasst die Finger von „der/die/das beste … aller Zeiten!“ – diese Bezeichnung ist absolut nicht zutreffend und zeugt überdies nicht gerade von einem innovativen Wortschatz. Dann muss ich mich auch nicht mehr aufregen, wenn mir die ach so hippe und tolle Firma Apple das „beste iPhone aller Zeiten“ präsentiert. Zum wiederholten Male.