Potenzial erkannt – und genutzt

WoW Werbespot - Chuck Norris

Vor einer knappen Woche sorgte ein kleiner Werbeclip zu einem großen Spiel für ordentlich Trubel. Die Spieleschmiede Blizzard hat sich für ihr Vorzeige-MMORPG World of Warcraft nach William Shatner, Mr. T, Ozzy Osborne und weiteren bekannten Gesichtern aus der Welt der Medien erneut einen Promi herangezogen, um Werbung für ihr Spiel zu machen. Dieses Mal hat es keinen geringeren getroffen, als die Action- und Roundhousekicklegende Chuck Norris. Und eigentlich ist es auch keine so große Sache, wären mit der Person Chuck Norris nicht unzählige Witze und Sprüche verbunden, die ihren Ursprung in den Weiten des Webs haben. Blizzard bzw. die von Blizzard beauftragte Agentur hinter den Clips hat das Werbepotenzial und die (zweifelhafte) Berühmtheit Chuck Norris erkannt und nutzt den einen oder anderen Gag gekonnt für eine nicht ganz ernst gemeinte From der Werbung. Die aber gerade bei der Zielgruppe ungemein gut ankommt. Kein Wunder: Nahezu jeder kann mindestens einen Chuck Norris-Gag erzählen.

Hier der originale englische Clip:

Es ist schlichtweg genial, wie man auf Grundlage der Chuck Norris Running-Gags so einen Werbeclip produziert hat. Dabei ist es im Prinzip längst überfällig gewesen, das Werbepotenzial von Chuck Norris auch zu nutzen (sein Engagement in einem Werbefilmchen des republikanischen US Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zähle ich bewusst NICHT dazu). Immerhin kann man ihn wegen der Popularität im Internet fast schon als eine Art Teil-Kunstfigur bezeichnen. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Natürlich ist es wohl nie Mr. Norris Absicht gewesen, sich selbst solch ein Image aufzubauen und dieses werbetechnisch zu nutzen. Wenn das aber in der nicht ganz ernst gemeinten Form passiert, wie eben im jüngsten WOW-Clip und einfach zu Kunstfigur und Werbekampagne passt, dann dürfte es ihn wohl nicht weiter stören. Immerhin gibt es noch ganz andere Werbeclips, die genauso mit dem Image einer Kunstfigur spielen, das aber eher schlecht als recht machen. Bestes Beispiel ist Solarworld, ein Hersteller von Solarmodulen. Dort wurde für eine Reihe von Werbeeinspielern der Schauspieler Larry Hagman verpflichtet, der eine gealterte, gereifte Version seiner früheren Rolle in der TV-Serie Dallas darstellt. Hagman verkörperte in der Serie den fiesen und rücksichtslosen Ölmagnaten J.R. Ewing. Die gealterte Version dieses Antipathie-Trägers tritt nun als konvertierter Vorreiter und Verbreiter der umweltfreundlichen Solartechnologie auf. Leider bedeutet dies einen völligen Bruch mit der Kunstfigur, die damals in den heimischen Wohnzimmern abgöttisch gehasst wurde und die ohne Frage eine Spitzenposition in der Rangliste der unsympathischsten Filmfiguren aller Zeiten einnehmen dürfte. Die Macher hinter den Solarworld-Werbeclips kehren das Werbepotenzial ihrer Kunstfigur um und lassen sie genau mit dem Gegenteil dessen werben, was eigentlich ihre Popularität ausmacht. Hätten die Macher des WOW-Clips ihren Chuck Norris in dieser Art und Weise in Szene gesetzt, dann würde der Clip jetzt entweder einen bierernsten Unterton haben oder die Kunstfigur Chuck Norris wäre die Oberlusche schlechthin – beides würde in geringerer Werbewirkung resultieren und wäre schlichtweg unlogisch.

Hier einer der Solarworld-Clips:

Natürlich muss man sagen, dass es wesentlich schwieriger ist, Werbung für Solartechnik zu machen. Wenn man dann aber schon entsprechende Budgets in die Hand nimmt, dann sollten diese doch wenigstens in eine Person/Figur fließen, die entsprechend für das Thema einsteht und nicht einen völligen Bruch bedeutet. Greenpeace würde ja auch nicht mit Robbenjägern werben, die Robbenbabys pflegen und liebkosen. Stattdessen hätte man beispielsweise Ex-Gouverneur Schwarzzenegger, der sich in seiner Amtszeit durch – für amerikanische Verhältnisse – ziemlich grüne Politik ausgezeichnet hat, als Werbepartner gewinnen sollen oder eine andere passende Person/Kunstfigur. Aber das ist nur meine Meinung.